Textilien
… hergeleitet aus dem lateinischen «textilis», gewebt, gewoben. Im deutschen Sprachgebrauch erst seit den ersten Jahrzehnten des 20zigsten Jahrhunderts etabliert. Zuvor war eigentlich eher der Begriff Stoff gebräuchlich. Dieser wurde für alle möglichen flächigen Gebilde aus Fasern, Filzen und Watten verwendet.
Erst mit der aufkommenden industriellen Konfektionsindustrie ergab sich das Bedürfnis, Stoff in Bahnen herzustellen und in den Handel zu bringen zur Weiterverarbeitung. Daraus entstanden dann Bekleidung, Heim- und Haushalttextilien sowie heute vermehr technische Textilien.
Der Begriff «Tuch» ist älter als «Stoff» und wurde schon seit hunderten Jahren für Gewebe verwendet. Diese bestanden vorwiegend aus Woll- und Leinengarnen, später auch aus Baumwolle. Tuch bezeichnet aber auch textile Gebilde aus unterschiedlichen Faserarten, die bestimmte Funktionen erfüllen wie Tisch-, Hand-, Bett-, Geschirr- und Kopftuch, um nur einige wenige Beispiele aufzuführen.
Alle Begriffe, Textilien, Tuch, Stoff, haben gemeinsam, sie bestehen aus Fasern, die sich in einem Fertigungsverfahren verarbeiten lassen. Das Fertigungsverfahren kann maschinell erfolgen. Manuelle Fertigungsverfahren sind älter, vielfältig und auch heute noch mit einfachen (und manchmal nicht so einfachen) Mitteln anzuwenden.
Die ältesten Handarbeits- und Handwerkstechniken zur Herstellung textiler Gegenstände sind Spinnen, Weben, Flechten und Häkeln und Filzen. Mit Hilfe dieser Techniken entstehen textile Roherzeugnisse (Halbfabrikate). Diese werden dann Veredlungsverfahren unterzogen wie Nähen, Stricken und Sticken.
Die ältesten von Menschen verwendeten Textilfasern sind ca. 30’000 Jahre alt. Bei den Funden handelt es sich um Flachsfasern (Leinen) und Brennnessel-Fasern (Ramie). Auch auf den gefundenen Venusfigurinen finden sich angedeutete Hinweise auf Bekleidung. Das Bedürfnis und die Fähigkeiten für textile Verarbeitung gehen also sehr weit zurück. Die ersten Web-Reste aus Leinen und Hanf lassen sich bereits im siebten Jahrtausend vor Christus nachweisen. Ab etwa 3500 v.Chr. lässt sich dann der erste Gewichtswebstuhl nachweisen. Eine Rekonstruktion eines solchen Gewichtswebstuhls kann in Haithabu (DE) bewundert werden.

Das Bedürfnis für Textilien ist sehr alt und ergibt sich aus den klimatischen Bedingungen des Lebensraums. Das ist wohl auch der Grund, warum die ältesten textilen Spuren im europäischen Raum gefunden wurden. … Und wir auf unseren Reisen in den Norden immer wieder auf alte textile Techniken stossen.
Das Bedürfnis, Textilien manuell herzustellen in einer Zeit der billigen Massenprodukte, ist rational nicht zu erklären. Vielleicht ist es Nostalgie, etwas selbst Hergestelltes, ursprüngliches in den Händen zu halten. Vielleicht ist es purer Individualismus, ein absolutes Einzelstück in Händen zu halten, nutzen zu können und damit aus der Masse herauszustechen. Vielleicht ist es auch nur die Idee, diese alten manuellen Handwerks-Techniken anwenden zu können und damit etwas Brauchbares zu produzieren, das eben kein Massenprodukt ist, das eine individuelle Note aufweist.
Aus diesen Überlegungen lässt sich etwas meine Passion für Textilien und textile Handwerks-Techniken erklären. Es gibt natürlich noch mehr Gründe. Je länger ich handwerklich tätig bin, nach einer langen recht abstrakten Berufskarriere als Wirtschaftsprüferin, desto mehr Facetten der Passion kristallisieren sich heraus. In meinen folgenden Blogs werde ich ab und zu darauf eingehen und versuchen meine textilhandwerkliche Entwicklung erzählerisch darzustellen.
Da ich über keine formale textile Ausbildung verfüge und auch etwas alt bin dafür, wird die textile Entwicklung Sackgassen, Irrwege, und Triumphe umfassen. Sozusagen ein textiler Entwicklungsroman.
