Meine Webstühle – der Anfang

Meine Handarbeits-Karriere hat sich nun bereits einige Jahre und Erfahrungen entfaltet (manchmal wortwörtlich). Die ganze Zeit war ich beruflich sehr eingespannt und während der Woche lag nicht so viel drin an konstruktiven Arbeiten. Und natürlich auch nicht an Analysen, was für ein Webstuhl denn nun meinen Bedürfnissen entsprechen könnte.

Auf meinen langen Zugfahrten entweder von zu Hause im Graubünden ins «Unterland» zu meinem pied-à-terre in Winterthur oder dann auf dem Arbeitsweg von Winterthur nach Bern und zurück ergaben sich viele Strick-Stunden im Zug. Viele Paar Socken und vor allem Schals mit allen möglichen Materialien sind so entstanden.

SG-02-05 | Gestrickte Schals Merino- oder Alpaca-Wolle
Schals im Zug gestrickt

Freundinnen haben mir in den vielen Jahren immer wieder Materialien geschenkt, sei es Wolle, Seide, Leinen, Baumwolle. In meinem Enthusiasmus, etwas konstruktives in Händen halten zu wollen habe ich mit fast allem versucht zu stricken, häkeln und weben. Dabei kamen manchmal abenteuerliche Produkte zustande.

Junior stand ab 2014 dann in Scuol, der Webrahmen ist immer mit mir herumgezogen. Einige Experimente darauf – in Leinen – waren äusserst schwierig, aber schlussendlich dann doch ganz passabel. So der nebenstehende Sommerschal, ganz in Leinen.

SW-03 | Sommerschal aus Leinen
Sommerschal in Leinen, auf einem Webkamm gewebt

Im Jahr 2016 habe ich mir dann für mein pied-à-terre in Winterthur einen kleinen Musterwebstuhl von Toika gekauft, mit 6 Schäften und 8 Tritten. Meine kleine Laila. Und darauf dann die ersten Versuche in Faltgewebe.

Abends, allein in der Wohnung mit dem Web Kamm und der Strickerei, das ist zwar schon auch eine Beschäftigung und man kann wunderbar Hörbücher lauschen dazu. Aber die Faszination, auf einem Webstuhl Muster ausprobieren, Farbenkombinationen, Faltgewebe und Farben zu mustern ist doch sehr viel befriedigender. Und so klein Laila auch war, so wunderbar war sie zum Mustern und ausprobieren.

SW-10 | Schal aus Merinowolle auf Kammgarn
Faltgewebe in Merino auf Laila als Musterstück gewebt

Jeder Webstuhl ist natürlich anders, anders einzurichten, aufzuziehen und zu bedienen. Dabei zeigt sich, dass mit zunehmendem Alter und eingeschränkter Beweglichkeit stärker auf die Ergonomie der Webstühle zu achten ist. Die kleine Laila (ja, alle meine Webstühle hatten mittlerweile einen Namen) war recht einfach zu bedienen, sehr leicht, die Tritte beim Kettbaum aufgehängt, was dann die maximale Hebelwirkung ergab beim Treten. Leider etwas eng und klein, so wurde die Verschnürung dann mit der Zeit doch etwas mühsam.

Im Gegensatz dazu der Junior: ein grundsolides Schweizer Produkt. Die Tritte aber unter dem Warenbaum aufgehängt, was zu einer ganz ungünstigen Hebelwirkung beim Treten führt. Kommt dazu, dass die Schäfte mit den Metall-Litzen etwas schwerer sind als die leichten Schäfte mit den Textsolve-Litzen. Und wenn man dann auch noch den Ehrgeiz hat, mit Projekten zu experimentieren, bei denen bis zu 200 Metall-Litzen pro Schaft erforderlich waren, wird das Weben zu einer sportlichen Angelegenheit.

Der Kauf eines grossen Eeva von Toika mit Computersteuerung sollte hier Abhilfe schaffen. Nun war meine Webstube im Graubünden wirklich voll … und ich voll ausgelastet in meiner Freizeit viele weitere Experimente und Projekte in Angriff zu nehmen, an beiden Orten, am Wochenende zu Hause und unter der Woche in Winterthur. Weben muss ich auf Eeva immer noch selbst, aber wenigstens nicht treten, das übernimmt ein Pedal und die Computersteuerung gibt vor, in welcher Reihenfolge welche Schäfte gehoben werden.

Die Weberei ist mit einem Computer-gesteuerten Webstuhl nochmals eine ganz andere Geschichte. Die kreative Arbeit verschiebt sich an den Computer, der Planung kommt sehr viel mehr Gewicht zu und die Abläufe bis zum fertigen Produkt müssen systematisch eingehalten werden, sonst gibt’s nur Ärger und Verdruss. Wenn alles klappt gibt’s allerdings sehr schöne Sachen.

So gewann ich mit der Zeit einiges an Erfahrung sowohl mit Webstühlen wie auch mit weben und verweben diverser Materialien. Der Schal oben in Ramie-Seide in der Kette und Seiden-Chiffon im Schuss ist zum Beispiel eine davon. Die Kette war gerade richtig, Seiden-Ramie ist allerdings ein etwas storriges Material. Den Seiden-Chiffon durfte ich nur heranziehen und nicht wirklich anschlagen, sonst würde der Schal bretthart werden.

Die Pensionierung war somit angetreten. Aber wie es ein ehemaliger Arbeitskollege ausdrückte: ich musste als Pensions-Lehrling mich erst mal zurechtfinden.

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