Wolldecke aus schweizer Wolle

… 13’800 km später

Reisevorbereitungen, 2 Wolldecken, 8 Bäckerleinen und eine Reise über 13’800 km später, endlich wieder Zeit zum Schreiben. Das Alter hält viele Überraschungen, Erfahrungen und viel zu wenig Zeit bereit.

Dieser Beitrag hätte bereits Anfang Juli publiziert werden sollen. Nur leider ist sind die Vorbereitungen für unseren langen Urlaub, die dafür erforderlichen Wolldecken auf Eva und die noch kurz zuvor auf Eevita aufgezogenen Bäckerleinen (eine Auftragsarbeit) mit dem Schreiben nicht mehr aufgegangen.

Aber alles von vorne: Ende Mai verbessert sich die Pandemie-Situation dank der verfügbaren Impfungen und den Impfkampagnen in ganz Europa sowie in der Schweiz rasch. Unsere Traumreise – 3 Monate mit dem Wohnmobil quer durch Europa zum Nordkap – rückt in greifbare Nähe. DieReisevorbereitungen werden real. Im Norden kann es zu jeder Jahreszeit kalt, nass und neblig sein. Obwohl unsere Randulina (so haben wir unser Wohnmobil getauft, Randulina da crap (Felsenschwalbe)) sehr gut ausgerüstet ist, kommen ein paar kuschelige Wolldecken aus schweizer Schafwolle sehr gelegen.

Ich ziehe diese als Faltgewebe 80 cm breit (also aufgefaltet dann 160 cm breit) vollständig aus Larain-Wolle von Vetsch in Jenatz auf Eeva auf. Die Vorlage dazu findet sich ebenfalls im Weben+ 2/20 Seite 44 ff.

Die Kette so zu schären mit so dickem Material war anspruchsvoll, am Schluss hatte ich 8 Kettzöpfe in den Händen, 7 Meter lang, die aufgebäumt werden mussten. Ich wollte ja mindestens 2 Decken à 2 Meter Länge machen. Dann noch etwas ausmustern, muss man schliesslich ausprobieren, ob auch alles funktioniert und richtig eingezogen ist.

Diese Zöpfe alle gleichzeitig mit meinen nicht eben grossen Händen zu halten, während Peter (mein Mann) den Kettbaum gedreht hat, war schon schwierig. Mit Geduld und Zeit haben wir es geschafft, die Kette sauber aufzubäumen. Danach waren die 480 Fäden dann noch in Litzen und Kamm einzuziehen. Mit 3 Fäden pro cm war ich bei diesem dicken Material eher an der oberen Grenze. Nur ich wollte wirklich warme, dicke Wolldecken weben.

Ach ja, die Falte sollte rechts sein und da musste noch das Problem mit dem Einweben und dem am Schluss sichtbaren Falt gelöst werden. Gemäss Heft hätte ich einfach normal einziehen können ( in einem Kamm 30/10 2 Fäden pro Riet 80 cm breit) und rechts einen starken Spannfaden, an dem ich den Schuss anschlagen konnte, ohne dass das Gewebe einzieht und verdickt. Auf dem Musterwebstuhl hatte ich mit dieser Methode keine allzu guten Erfahrungen gemacht, es gab in der Mitte beim Falt einen Wulst.

Also habe ich am rechten Rand 4 Fäden jeweils 1 Faden pro Riet eingezogen und zusätzlich eine Angelschnur als Spannschnur zum Faden ins letzte Riet eingezogen. Die Angelschnur dann mit 1 kg Gewicht straff gespannt und dann so gewebt. Das Ergebnis ist im Foto sichtbar, kein Wulst in der Mitte und ein dichtes, warmes Gewebe.

Die Decken, beide 2 Meter lang und 160 cm breit, sind allerdings etwas schwer, rund 1 kg pro Stück. Auf der Reise hat sich gezeigt: sogar im Norden, wo es wirklich kalt, neblig und unwirtlich war, die Decken sind warm und kuschelig. Da es sich um rohe Schafwolle handelt, sind sie recht rauh und würden auf der blossen Haut ziemlich beissen. Als wärmende Decke über einem Barchentleintuch sind sie unschlagbar.

Die Decken wurden Mitte Juni fertig. Anfang Juni hatte ich noch von einem befreundeten Ehepaar einen Auftrag für Bäckerleinen entgegengenommen. Eigentlich wollte ich das erst im Oktober in Angriff nehmen. Aber da hatte ich wieder mal die Rechnung nicht mit meiner Ungeduld über neue Ideen gemacht. Mehr dazu im nächsten Blog.

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