Webgeräte alt und neu
wie bereits im vorangegangenen Blog erwähnt, nach diesen vielen (schnellen) Projekten, noch husch husch so vor den laaangen Ferien, waren diese dringend nötig.
Vor den Ferien ist es ja immer etwas hektisch, alles geht drunter und drüber, und jeder neue Tag hält Überraschungen bereit. Ganz überraschend, keine zwei Wochen bevor wir fahren wollen ruft ein befreundeter Schreiner an, er hätte da einen kleinen Webstuhl gefunden, sei zwar etwas staubig, aber niemand wolle den. Ob ich interessiert wäre den Kleinen mal anzuschauen.

Sowas muss man mir nicht zweimal sagen. Der Kleine stelllte sich als ein sehr altes Gerät heraus, ein Varpapoo mit Schaft-Hebeln, 60 cm Webbreite mit einem 60er Kamm, immer noch mit aufgezogener Kette, voller Staub und Motten, die Litzen schmutzig von der langen Standzeit in einem Keller.
Zu Hause dann den Kleinen sorgfältig mit Holzöl gereinigt, so gut es ging und dann erst mal mühevoll die Kette abgewebt soweit wie möglich. Eine ziemlich mühsame Angelegenheit, die Schäfte waren immer noch ziemlich verschmutzt, die Kette von der langen Lagerung verklebt und auf eine eher merkwürdige Art und Weise mit vielen Knoten aufgezogen.
Trotzdem, es hat dann doch einige kleine Gästetücher gegeben. nachdem sie gewaschen waren, sahen sie auch noch ordentlich aus.

und es war eine richtige Herausforderung, herauszufinden, wie das Gerät funktioniert, respektive, wie ich eine Patrone zeichnen könnte, die ich dann auch noch weben kann. Alle meine Standardbücher sprechen von Kontermarschwebstühlen. Aber das hier war eine kleine Schaftmaschine, wortwörtlich. Der Varpapoo funktioniert genau gleich wie meine grosse Eeva mit Computersteuerung, ausschliesslich Schafthebungen. Folgerichtig also einfach alle Patronen normal gezeichnet und dann 90° gedreht, und schon habe ich die Sequenz, wie die Hebel gedrückt werden müssen.
Auf unserer langen Reise in den Norden dann konnte ich es nicht lassen, auch den massgeblichen Webstuhlproduzenten und namhaften Web-Geschäften in Finnland und Schweden einen Besuch abzustatten (meine beiden Band-Ketten habe ich nicht vergessen, dazu aber mehr im nächsten Blog).
In Schweden konnte ich dann nicht widerstehen, Glimakra hatte gerade ein kleines handliches Bandwebgerät produziert und an Lager, ich durfte mir eines mitnehmen. Zusammengebaut wurde das allerdings erst wieder zu Hause, zum transportieren war es einfacher, den Karton verschlossen zu lassen.

Jaaaa, uns so bin ich innerhalb von wenigen Monaten ganz unvermutet zu zwei weiteren Webgeräten gekommen. Das eine sehr alt und nach etwas Übung ein richtiges Bijou zum weben, das andere nigelnagelneu und wird heute 6 Monate später immer noch eingearbeitet. Das ist dann leider so, wenn zuviele Geräte aufs Mal die Webstube aufsuchen, dann wird die Zeit noch knapper, dass auf allen gearbeitet werden kann.
