Zeit wird zum „Luxus“
Der Rest von 2020 flog nur so vorüber. Endlich konnten wir reisen, das Weben trat in den Hintergrund. Das Stricken nahm wieder etwas mehr Raum ein. Während dem mehrwöchigen Urlaub in Deutschland mit unserem neuen Wohnmobil («Randulina») entstanden dann zwei Kinderdecken in bunter bis sehr bunter Wolle.
Endlich fest zu Hause galt es erst einmal alle angefangenen Projekte fertig zu weben (die Geschirr- und Handtücher in Leinen hatte ich noch vor der Abreise aufgezogen) und dann war auch schon wieder Weihnachten und Jahresende. Beide Webstühle Eeva und Eevita waren voll beschäftigt und im erneuten Lockdown aufgrund der Pandemie fand sich endlich Zeit, die gesammelten Web-Literatur und -Hefte für Inspiration durchzusehen.

Keine gute Idee, mein Skizzenbuch und die Ideen-Sammlung platzen eh schon aus allen Nähten. Die Befriedigung beim Machen kommt bekanntlich vom Fertigmachen und nicht vom Alles-anfangen. Also alles nochmal von vorn.
Erstmal ein Inventar erstellt, was alles bereits gewebt, gestrickt, bestickt und genäht im Schrank wartet. Und so langsam tritt die alte Vision einer eigenen Webseite wieder in den Vordergrund. Dazu müssen die Produkte erst einmal präsentabel fotografiert und beschrieben werden. Die Beschreibung sollte so erfolgen, dass sie einfach auf eine Webseite aufgeladen werden kann.
Auf den ersten Blick tönt das einfach: ich baue mir mit bekannten Programmen eine eigene Webseite. Ist es aber nicht. Den Namen und das Hosting hatte ich mir bereits im Jahr 2019 reserviert und organisiert. Aber da kam ich dann nicht mehr weiter. Obwohl ich mein ganzes Berufsleben mit Computern, Internet und Elektronik zu tun hatte, ich war immer nur der Nutzer, nie der Gestalter.
Darum dann die alles entscheidende Zutat beim Zaubertrank Webseite: ein Webdesigner musste gefunden werden, der mich versteht, die Produkte einschätzen kann und mir vermitteln kann, wie die Fotos und Beschreibungen aussehen müssen, dass sie überhaupt präsentiert werden können. Für die «digitale» Generation wahrscheinlich ein Klacks, wenn man mit Instagram, Facebook, Twitter und was weiss ich für weiteren Kommunikationsprogrammen aufwächst.
Und das war genau das, was ich nicht wollte. Es sollte einfach, für mich verständlich und handhabbar sein. In Zeiten von Pandemie und reduzierten Schaufenster-Möglichkeiten ein Mittel, meine Arbeiten zu zeigen, vielleicht das eine oder andere Stück zu verkaufen (der Schrank war wirklich voll und der Platz limitiert) und neue Kontakte zu suchen, mit anderen Textilbegeisterten.
Also habe ich mal lokal gesucht und in Linard Brüngger mit ardur visual design einen fachlich versierten Webdesigner gefunden, der mehrjährige Erfahrungen im Umgang mit digital-non-natives mitbringt. Ich habe ein kleines Konzept erstellt, was mir wichtig war und ist, einige Links von befreundeten Weberinnen mitgeliefert und er hat umgesetzt.
Nun feiert die Homepage bereits den 1-monatigen Geburtstag. Eine klare Arbeitsteilung hat sich herauskristallisiert. Herr Brüngger pflegt die Produkte und Struktur der Homepage, ich liefere die Beschreibungen was drauf muss oder gestrichen werden kann, weil verkauft oder verschenkt. Und ich habe gelernt, diesen Blog zu schreiben und aufzuladen und kann mich auf meine Handarbeiten konzentrieren. So macht jeder, was er am besten kann und gerne macht. Eine perfekte win-win-situation, wie man als Ökonom so schön sagt. Auch pensioniert gilt: nur was man gerne macht, kann man auch richtig gut und mit Passion machen.
So, nun aber genug Entwicklungsroman. Die neuen Projekte sind bereits in Arbeit. Jetzt kann es richtig losgehen mit dem Textil-Blog.

Die Geschichte geht weiter mit dem ersten Auftragsprojekt, den Irrungen und Wirren eines gewobenen Schabichick-Gilets.
