Zeit wird zum „Luxus“ Teil 2

Zeit wird wirklich zunehmend zum Luxus. nun ist es bereits ende Mai und ich war so mit meinen Projekten beschäftigt, dass ich gar nicht mehr zum schreiben komme.

Das im letzten Blog ganz am Schluss gezeigte Projekt hat nun, nach einigen Wirrungen und Irrungen das Licht der Welt erblickt. Das wurde nach Originalvorlage Weben+ Nr. 38 Seite 41 gewebt. Ziemlich tricky. Für die Armlöcher müssen die Fäden abgeschnitten und nach Abnahme dann wieder eingezogen werden. Auf dem Webstuhl dürfen die Fäden für die Armlöcher dann allerdings auf keinen Fall einfach abgeschnitten werden. Zuerst muss sichergestellt sein, dass das Webkreuz bestehen bleibt, sonst bekommt man die nie wieder rein für den zweiten Teil der Weste. Und dann reicht es vollkommen, wenn die Fäden einfach aus dem Kamm gezogen, beschwert und dann „mitgenommen“ werden, bis sie wieder für den zweiten (linken) Teil der Weste am Warenbaum anzubinden sind.

Tönt kompliziert und ist es auch. Weil … rein theoretisch könnte man ja den zweiten Teil der Weste einfach umgekehrt weben, zuerst das Armloch und dann den Torso. Oder auch zuerst Armloch vom ersten (rechten) Teil der Weste, gleich anschliessend den Torso, dann den Torso des zweiten (linken) Teils, mit dem Armloch als Abschluss. Auf die Ideen bin ich aber erst viel später gekommen.

Item, schon die Kette zu schären war äusserst anspruchsvoll. Immerhin hatte ich mir vorgenommen, die Westen (es sollten am Schluss drei sein) in Farbverflechtung, die Kette in mehrfarbig in Baumwolle 12/2 zu schären und dann mit diversen Materialien zu schiessen. Das heisst Baumwolle für die Ränder (die müssen etwas fester und dichter sein) und den Hauptteil in verschiedenen Leinen-Garnen (alles 16/1). Dummerweise hatte ich mir vorgenommen, die Farben feld-weise zu wechseln, was bei 70 cm Breite dazu geführt hat, dass 16 verschiedene Farben in 4er Kombinationen in unterschiedlichen Breiten zur Anwendung kamen.

Damit noch nicht genug, mussten die 540 Fäden dann auch noch in 8er-Bündel so aufgeteilt werden, dass das Armloch am genau richtigen Ort und nicht mitten in einem Feld zu liegen kam. Wäre ich nach Anleitung im Heft vorgegangen, ich hätte mir das Leben wesentlich erleichtert. Aber bon, Kreativität hat ihren Preis. Die zweite und dritte Weste habe ich dann in einem Stück gewebt, einfach jeweils als Stoff in den Massen 70 cm x 90 cm.

Bei diesen zwei Westen kam die Überwindung der emotionalen Hemmschwelle, ein selbst gewebtes Stück Stoff zuschneiden zu müssen. Das mag völlig überkandidelt erscheinen, aber ich kenne viele Weberinnen, die es nicht schaffen, das eigene Gewebe zuzuschneiden.

Daraus wurde dann eine Weste für mich. Es hat eine Weile gedauert, bis ich herausgefunden habe, wie zuschneiden, wie nähen, was verstärken und was nicht. Dazu aber im nächsten Blog.

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