Emmett’s Garden

Gestern Abend habe ich mich entschieden, heute etwas nach Norden, in Richtung London zu fahren. Gemäss Navi sind das vierundfünfzig Kilometer. Das wäre ungefähr eine Stunde zu fahren. Am nächsten Wochenende findet in London die Chelsea Flower Show statt. Die ist berüchtigt für a) die Eintrittspreise, b) die Menschenmassen und c) dass Hunde da nicht reindürfen. Also nichts für uns. Hier in Sussex und Kent gibt es genügend schöne Gärten. Einer davon ist Emmett’s Garden, ist in der Verwaltung des Nationaltrust und da dürfen ausnahmsweise Hunde mit rein. Wenn ich Glück habe, finde ich dort dann endlich den Waldboden übersät mit Bluebells. Die blühen im Spätfrühling und Emmett’s Garden ist berühmt dafür.

Dafür müsste ich früh los, so um neun wäre nicht schlecht. Gestern war scheinbar doch anstrengend, insbesondere auch durch die kurze Nacht und etwas Schlafmangel. Ich erwache erst um acht Uhr. Unsere Morgenroutine mit Spaziergang und Frühstück dauert im Durchschnitt zwei Stunden. Also fahren wir erst gegen zehn Uhr dreissig los.

Das Navi wählt diesmal eine Route, die zwar auf breiteren Strassen führt, dafür ist sie auch rund zwanzig Kilometer länger. Das ist mir momentan auch Recht, von den hohlen Gassen habe ich genug gesehen.

Wir verbringen einen wunderbaren Mittag bei einem langen Spaziergang im Garten. Überall blühen üppige Rosen und Rhododendren in allen Farben. Ein genial gestalteter Steingarten lädt zum Flanieren ein. Schlussendlich finde ich den Weg zum Waldspaziergang. Leider sind von den Bluebells nur noch verblühte Teppiche vorhanden. Dafür sehen wir ganze Lichtungen voller wildem rotem Fingerhut. Sogar die Lumpazzi geniessen den langen Spaziergang, weg von dem konstanten Wind an der Küste beim Camping. Zwischendurch tröpfelt es immer wieder, nichts Ernstes, nur eine willkommene Abkühlung.

Gegen frühen Nachmittag landen wir wieder am Eingang. Nach ein paar Leckerli geht die Fahrt gemütlich zurück nach Norman’s Bay. Diesmal wieder auf den hohlen Gassen. Es sieht so aus, wie wenn das Navi für den Rückweg dann doch die Staus wieder umfährt.

An der Norman’s Bay hat der Wind unterdessen weiter zugenommen. Der Himmel ist grau bedeckt, aber noch kein Regen in Sicht. Beim Spaziergang zeigt das Meer Richtung Bexhill fliegendes Wasser. Kein gutes Zeichen, die Böen, die da über das Wasser fegen müssen ordentlich stark sein. Ich schätze mal zwischen sieben und acht Beaufort. Auch hier an der offenen Küste ist der Wind unangenehm stark. Die Lumpazzi mögen gar keinen langen Spaziergang am Abend mehr machen.

Dann morgen eher ein kurzer Ausflug und vor allem nicht an die Küste. Auch heute wäre ein früher Feierabend angesagt. Da könnte man noch Reisetagebuch schreiben, Fotos verarbeiten. Nur Blogs raufladen geht nicht, das Wlan ist völlig instabil wegen des ständigen Windes. Irgendwie ist mir die Arbeitslust abhandengekommen. Jetzt mag ich nicht schreiben und Fotos verarbeiten. Das hat Zeit bis morgen, läuft ja nicht weg.

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