Dartmouth Castle

So langsam traue ich dem Navi nicht mehr recht. Noch gestern Abend habe ich mich erkundigt, wie ich am besten zum Dartmouth Castle komme. Die Beschreibung beim English Heritage Handbuch tönt ominös. Vor Ort nur eine limitierte Menge Parkplätze vorhanden. Und so wie ich mittlerweile diese mittelalterlichen Städtchen kenne, dürfte es in der Stadt auch keine haben. Ausserdem ist damit zu rechnen, dass die Strassen im Städtchen steil, eng und vollparkiert sind. Also fahre ich zum Einkaufszentrum Sainsbury’s an der Peripherie. Bei Einkaufszentren kann man in der Regel zwei Stunden gratis parkieren. Für mehr gibt’s eine App.

Den Tag fangen wir aber sehr gemütlich an. Es wird wieder schön und heiss. Also dann ein mittellanger Morgenspaziergang. Heute werden wir voraussichtlich genug laufen. Um zehn Uhr ist alles fertig und wir sind bereit zur Abfahrt. Zuerst einmal ignoriere ich das Navi, es möchte unbedingt zurück und mitten durch Slapton durch. Da wurde ich aber gestern Abend noch gewarnt. Es gibt eine Strasse der Küste entlang. Dort wo wir gestern Pause gemacht haben, zweigt die Strasse nach links ab und geht in die Höhe. Dann durch zwei Dörfchen mit moderat schmalen Strassen durch und schon ist man bei Sainsbury’s. Um elf Uhr ist parkiert. Und ich mache mich auf die Suche nach einem Parkwächter. Voraussichtlich benötige ich ungefähr drei Stunden, um an den Hafen zu kommen, eine Fähre zum Schloss zu nehmen, das Schloss zu besichtigen und dann wieder alles zurück.

Das mit der Parking-App funktioniert nicht. Die Gesellschaft kann keine ausländischen Telefonnummern verarbeiten. Der Zentrums-Angestellte lässt sich den Randulin zeigen und meint dann, für drei Stunden sollte das schon gehen. Also mache ich mich mit den beiden Lumpazzi schleunigst auf die Suche nach dem Bus-Stop.

Der fährt leider erst in zwanzig Minuten. Gemäss iphone kann ich in dieser Zeit auf einem Fussweg direkt den Hügel runter an den Hafen laufen. Ich bin skeptisch. Das sind immerhin fast zwei Kilometer und es ist bereits über zwanzig Grad warm. Es hilft wieder mal alles nichts. Ich muss es probieren. Der Fussweg geht zuerst neunhundert Meter eben Richtung Stadt. Und dann tatsächlich steil den Hügel runter. Tatsächlich, nach einer halben Stunde stehe ich vor dem Hafenbüro.

Ich erkundige mich nach der Fähre zum Dartmouth Castle. Die fährt fast gerade gegenüber am Quai. Ein kleiner Kiosk und eine Anlegestelle für ein grösseres Boot. Das Ticket kann an Bord gelöst werden. Nach einer Viertelstunde tuckert ein grösseres Motorboot an die Anlegestelle. Der Bootsführer ist sehr hilfsbereit und hilft mir und den anderen Passagieren an Bord. Die Lumpazzi haben keine Mühe und springen einfach rein.

Das Dartmouth Castle ist weniger ein Schloss als vielmehr eine Festung. Bereits im Mittelalter erbaut, um den Hafen und die Flussmündung des Dart zu bewachen, steht sie strategisch klug auf einer felsigen Landzunge einen halben Kilometer vor der Stadt. Wir klettern hoch zur Festung. Auch hier dürfen Hunde mit rein. Allerdings in die Kasematten über eine enge Wendeltreppe hinunter sie uns über einen kleinen Seiteneingang hinein. Etwas später klettern wir noch in den Geschützturm hoch. Da binde ich die zwei in einem Zwischengeschoss an und klettere die enge Wendeltreppe allein ganz nach oben, um noch ein paar Bilder zu machen. Die Anlage ist offensichtlich auf einem sehr alten Fundament erbaut und dann immer wieder erneuert worden. Dartmouth liegt für Angreifer auf die englische Insel günstig. Das war noch bis zum ausgehenden neunzehnten Jahrhundert so.

Entsprechend ist sind die ausgestellten Kanonen ausgerüstet. Die Demonstrationen sind eindrücklich und laut. Da gehen wir lieber wieder, für die Lumpazzi ist das nichts. Dann schaue ich auf die Uhr. Auweia, drei Stunden fast vorbei und wir sind immer noch bei der Festung. Nun aber schnell zurück zum Hafen und dann hoch zu Sainsbury’s.

Das Prinzip, wie man das Boot an die Anlegestelle ruft ist einfach und effizient. Einfach eine Tafel umdrehen, dann zeigt die weisse Seite auf den Hafen hinaus. Eine weitere halbe Stunde später stehen wir wieder am Quai.

Nun ist es definitiv zu spät. Ein Bus wäre hochwillkommen … und nirgends zu sehen. Dann halt laufen. Jetzt bei vierundzwanzig Grad den Hügel wieder hoch. Da werden zweieinhalb Kilometer sogar für meine energetischen Lumpazzi zur Herausforderung. Der Ausflug dauert dann schlussendlich gut vier Stunden. Kein Parkwächter und keine Busse in Sicht. Das ist dann die Gelegenheit noch schnell etwas einzukaufen bei Sainsbury’s. Etwas kühles zu trinken und Leckerli für die Lumpazzi. Das haben die sich redlich verdient.

Der Rückweg zum Camp verläuft dann wieder abenteuerlich. Eigentlich möchte ich auf dem gleichen Weg zurück, wie ich heute Morgen hergefahren bin. Nur verpasse ich in einem Kreisel eine Ausfahrt und das Navi bringt mich zielsicher zurück nach Slapton. Genau das, was ich nicht wollte. Und nirgends eine Möglichkeit umzudrehen.

Das Ende der Geschichte: wieder durch Slapton durch. Nur diesmal mit ordentlich Gegenverkehr. Der Randulin ist zwar flexibel, für diese schmalen, kurvigen Gassen dann aber doch etwas unhandlich. Die anderen Verkehrsteilnehmer bringen viel Verständnis auf und setzen alle zurück, teilweise recht abenteuerlich in alle möglichen Lücken hinein. Da lobe ich mir diese geduldigen englischen Autofahrer. Kein Gehupe und Gefluche, einfach pragmatische Lösungen.

Das waren heute genug Abenteuer. Jetzt erst mal etwas essen, dann ausruhen. Eigentlich wollte ich heute noch Reisetagebuch nachführen. Das wird aber nichts mehr, viel zu müde. Sogar der Abendspaziergang fällt ultrakurz aus. Ein paar Schritte vors Camp zum Versäubern und gut ist.

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