Ein Castle und ein Abbey
Heute lasse ich den Randulin mal stehen und wir gehen einfach nur die Umgebung erkunden. Und zwar per pedes apostolorum. Beim Spaziergang am ersten Ankunftstag bin ich «nur» etwas einkaufen gegangen. Heute ist die Besichtigung des Barnard Castle dran. Auf dem Rückweg möchte ich dann nochmals etwas Mineralwasser, Käse, Marmelade und vielleicht ein paar Leckerli einkaufen. Eventuell bleibt noch etwas Platz im Rucksack für etwas Hundeweichfutter. Meine beiden Lumpazzi sind ziemlich verwöhnt. Das viele Laufen gibt aber auch ordentlich Hunger.
Bereits um 09.30 Uhr ist die Morgenroutine erledigt, heute noch ergänzt durch das Leeren der Chemietoilette und eine kurze Innenreinigung. Dann laufen wir gemütlich los Richtung Barnard Castle. Diesmal mit dem kleinen Rucksack, die Kamera lasse ich diesmal im Randulin. Heute muss das iPhone als Fotoapparat genügen.
Nach einer Stunde durch den Wald laufen sind wir auch schon da. Der Ticket-Schalter hat gerade aufgemacht. Wieder ein Heritage-Objekt, also kein Eintritt bezahlt, stattdessen dafür ein Büchlein mit Erklärungen zur Schlossanlage und zum Eggelstone Abbey erstanden. Dazu noch der Tipp, dass das Abbey in einem Fussmarsch von einer halben Stunde erreichbar sei, nur gerade 2.5 km entfernt.
Nach einer ausführlichen Runde durch die Burganlage (und diese ist riesig) mache ich mich auf den Fussweg zum Eggelstone Abbey. Einkaufen kann ich dann auf dem Rückweg. Die Schlossanlage geht auf William I zurück, respektive einen seiner Gefolgsleute Guy de Balliol, ist also um die 800 Jahre alt. Das Abbey soll im gleichen Zeitraum gegründet worden sein.
Der Fussweg ist schwierig zu finden. Die Distanz stimmt nicht so ganz, 2.5 km sind es der Strasse entlang. Mit meinen Lumpazzi kommt das nicht in Frage. Trotz der sehr engen Strasse wird hier schnell und nah am Rand gefahren. Das wäre lebensgefährlich, Zeugnis davon geben die vielen Kaninchen und Fasane, die überall überfahren werden. Der Fussweg führt schlussendlich am Tee entlang und ist gut 1 km länger. Nach einigen Irrwegen kommen wir nach eineinhalb Stunden beim Abbey an.
Es handelt sich um gut erhaltene Ruinen einer einfachen Klosteranlage. Diese wurde allerdings recht früh, bereits im 17 Jahrhundert aufgehoben. Das Kloster war einfach zu arm und konnte sich nicht selbst finanzieren. Danach wurde die Anlage noch für diverse Zwecke genutzt, hat auch mehrfach die Hand gewechselt. Erst seit den späten 70er Jahren des letzten Jahrhunderts ging es dann in die Obhut der English Heritage Foundation über und wird seither erhalten und erläutert.

Die Anlage ist nicht besonders gross. Darum laufen wir nach einer halben Stunde wieder zurück. Beim Eingang meine ich, den offiziellen Fusspfad zum Barnard Castle identifiziert zu haben.
Nach einer halben Stunde auf einem Fusspfad quer über die Felder landen wir an einem kleinen Bach. Zwar immer noch auf einem offiziellen Fusspfad. Der wird aber mit jedem Meter schlammiger. Nicht einmal Zorro findet für seine Pfoten noch einen halbwegs trockenen Untergrund. Schon nach kurzer Zeit sind beide Lumpazzi bis zum Bauch mit schwarzem Schlamm bedeckt. Das kann lustig werden, beim Campingplatz konnte ich bis jetzt noch keine Hundedusche identifizieren.
Während ich so hinter meinen beiden Lumpazzi durch den Schlamm stampfe, überlege ich schon fieberhaft, wie ich das alles wieder sauber bekomme. In einem Randulin wäre eine derartige Schlamminvasion nicht so gut, eigentlich sogar sehr unappetitlich. Der Fusspfad führt auch nicht auf geradem Weg nach Barnard Castle. Nach einer Stunde durch den Wald, dem kleinen Bach entlang, völlig verdreckt und verärgert über meine eigene Unvernunft, nicht einfach auf gleichem Weg zurückgelaufen zu sein, kommen wir endlich auf die Fahrstrasse heraus.
Gemäss iPhone müsste ich jetzt «nur» etwa einen Kilometer der Fahrstrasse folgen und wäre in Barnard Castle. Das kommt nicht in Frage, wir sind ja nicht lebensmüde. Also nochmal ein Umweg von fast einem Kilometer in Kauf genommen und zurück ans Flussufer des Flusses Tee gelaufen. So langsam nimmt unser kleiner Ausflug zum Abbey epische Züge an.
Nach 3 Stunden sind wir am Ausgangspunkt zurück. Nun noch einkaufen und dann ab zum Randulin beim Camping. Das tönt einfach. Ist es leider nicht. Hier kenne ich zwar den Weg. Mit einem vollen Rucksack ist der Weg zurück eine ziemliche Plackerei. Abends um fünf ist auch das geschafft. Wir alle drei sind es auch.
Und trotzdem habe ich mir vorgenommen heute das Tagebuch nachzuschreiben. Wenn ich das zu lange liegen lasse, weiss ich nichts mehr. Momentan stürmen viel zu viele Eindrücke auf mich ein. Die sollte ich besser zeitnah sortieren und einordnen.
