Hadrians‘ Wall
Gestern Abend habe ich bis auf den letzten Tag dann doch noch einiges geschrieben. Der Tag verspricht bereits beim Morgenspaziergang warm und schön zu werden. Heute soll es zum Hadrianswall gehen.
Eigentlich nur 84 km nach Norden, fast in gerader Linie. Das sollte in einer guten Stunde zu schaffen sein. Sagt das Navi und das iPhone. Darum darf die Morgenroutine etwas gemütlicher ablaufen. Heute will ich mal nicht so riesige Strecken laufen, wie in den letzten Tagen.
Gegen 10 Uhr fahren wir los. Der Weg führt buchstäblich in fast gerader Linie nach Norden. Alles über Land. Dann über Berge. Also eigentlich Dales. Und die sind ausgedehnt. Mit Schafen übersäht. Ohne Zäune streifen die frei über die Flächen, Hügel und Strassen. Die Landschaft wechselt von Dales zu Dales. Die Strasse führt im Jo-Jo-Stil rauf und runter. An der Strassenseite hat es immer wieder Schilder, die vor unübersichtlichen Hügeln, nicht einsehbaren Senken und scharfen Kurven warnen.
Wenn dann scharfe Kurven und steil abfallende Senken zusammenkommen, wird’s lustig zum Fahren. Vor allem, wenn die Strasse gerade mal 4 Meter breit ist und Gegenverkehr aufweist. Da ist äusserste Konzentration gefragt. Denn scharfe Kurven heisst hier, die gehen 180 Grad in die andere Richtung, mit 10% Steigung einfach den Berg runter. Um 11.30 Uhr kommen wir tatsächlich auf dem Homestead-Parkplatz an.
Visitor Center bedeutet, das ist der Eingang zum UNESCO-Welterbe Hadrianswall und dem grössten und besterhaltenen Fort der Römer. Das Ticket zum Fort kann man ca. 800 Meter weiter oben am Eingang zum Fort lösen. Wir schauen uns das Fort an. Die Hunde vorwiegend mit der Nase am Boden. Hier hat es überall Kaninchen- und Schafdung. Nach der Fahrt in äusserster Konzentration habe ich nun alle Hände voll zu tun, einerseits das Fort anzuschauen, die Tafeln zu lesen und die Lumpazzi davon abhalten, sich den Bauch mit Kaninchen-Dung vollzuschlagen.
Nach einer halben Stunde ist genug. Die beiden müssen jetzt mal etwas laufen und Energie loswerden. Also mache ich mich auf den Wanderweg dem Hadrianswall entlang. Sehr eindrücklich. Die Gegend zu beiden Seiten der Mauer ist weit, hügelig und wird grad in der Mittagssonne gebadet. Meine beiden Lumpazzi müssen sich auf den Weg konzentrieren. Die Römer haben die Mauer einfach entlang der Hügelkette gebaut. Also steil runter, steil hoch, immer dem Kamm folgend. Und die haben sogar richtige Fusswege mit Steinplatten und -Stufen gebaut. Also nicht so richtige Stufen, einfach Trittsteine, wie sich die Gelegenheit grad so bot. Sowohl für die Hunde wie auch für mich eine ordentliche Herausforderung.

Natürlich könnte ich auch den Touristenweg laufen. Eine richtige, breite Promenade durch die Felder, mit ganz viel Schafdung. Das wäre dann allerdings nicht mehr auf den Spuren der Römer.
Nach einer Stunde drehe ich dann um. Dem Hadrianswall könnte man auf diesem Römer-Fussweg bis zur Küste folgen. Das wären von hier nur ungefähr 34 Meilen. Etwas viel für meinen Vorsatz für heute, nicht mehr so lange unterwegs zu sein wie in den letzten Tagen.
Zurück beim Tourist-Center hat es zum Glück ein Café. Dort gibt’s für die Hunde erst mal eine grosse Schale Wasser und dann ein paar Leckerli. Für mich einen grossen Kaffee und ein Käsesandwich. Wie ich erst beim Aufmachen feststelle, sogar glutenfrei. Und das hier, meilenweit von jeder modernen Zivilisation entfernt.
Danach fahre ich auf einer etwas anderen Route zurück nach Barnard Castle. Zumindest zuerst Richtung Newcastle und Hexham, dann auf der A68 Richtung Darlington. Auf der Höhe Stanhope zweigt die Strasse dann wieder ab und der restliche Weg führt dann wieder über die Dales zurück nach Eggelstone und Barnard Castle. Gegen 16 Uhr sind wir wieder zurück auf dem Campingplatz.
Dann erst mal etwas ausspannen und essen. Noch ein kurzer Abendspaziergang und die Lumpazzi wollen nur noch schlafen. Nun ist es bereits wieder 22 Uhr, aber das Reisetagebuch ist endlich vollständig nachgeführt. Morgen fahre ich nochmal nach Süden, Fountains Abbey & Studley Royal Water Gardens. Sind zwar auch wieder 71 km, aber unterwegs komme ich sicher an einer grossen Tankstelle vorbei. Ich sollte mal wieder Diesel und wenn möglich Add-Blue nachfüllen.
