Barnard Castle – nach Norden

Vor lauter Nervosität erwache ich wieder früh um 7 Uhr. Mittlerweile weiss ich, wie die Dusche funktioniert (ein ziemlich raffiniertes System hier, mit einem Schlüssel, den man über eine Magnetfläche streift und dann läuft Warmwasser ). Auch sonst ist Tyddyn Isaf ein sehr schöner, grosser und ausgezeichnet eingerichteter Campingplatz.

Noch vor dem Frühstück die Chemietoilette entleert, alles sauber gemacht und dann mit den Hunden eine grössere Runde gedreht. Das muss heute eine Weile herhalten. Danach langes Frühstück, die Reception hat erst um 09.30 offen und ich muss auschecken und den Schlüssel zurückgeben.

Danach zeigt das Navi eine verblüffende Zeit an, in der wir in Barnard Castle ankommen sollen, nämlich bereits um 14 Uhr. Das glaube ich erst, wenn ich es sehe!

Erst kurz nach Bangor realisiere ich, dass die ganze Route nach Norden zuerst auf einer zweispurigen Autostrasse Richtung Manchester führt. Das bedeutet, ich kann mit 100 km/h zufahren, und es hat kaum Verkehr zu dieser Zeit.

Bei Manchester dann der Wechsel auf die M1 nach Norden, was ebenfalls bedeutet, ich kann konstant mit 110 km/h durchfahren. Die Route führt bis nach den Yorkshire Dales auf der Autobahn. Das erklärt dann auch, warum wir bereits um 14 Uhr tatsächlich an der Reception des Barnard Castle Camping and Caravaning stehen. Erst an der Reception werde ich aufgeklärt, dass heute zwar Mittwoch, aber eben der 2. April ist und nicht der 3. Die Verwalter sind aber äusserst pragmatisch, sie verlängern meinen Aufenthalt einfach um einen Tag nach vorn und keine 10 Minuten später bin ich eingewiesen und eingerichtet.

Die Hunde waren offenbar während der ganzen Fahrt noch müde von dem langen Küstenspaziergang und wollten keine einzige Pause. Die ist aber nach 4 Stunden jetzt dringend fällig. Auf Empfehlung der Reception laufe ich mit den beiden los, Richtung dem Städtchen Badran Castle.

Die Distanz wieder mal sträflich unterschätzt. Wenn Engländer sagen, das sind nur so 2 Meilen, also etwa eine Stunde zu laufen, dann meinen sie das auch. Nach einer Stunde laufen wir aber immer noch im Wald am Fluss Tee entlang. Richtig pictoresque die Gegend. So in 2 Wochen dürfte der ganze Waldboden mit «bluebells» übersäht sein. Allerdings, dazwischen hat es jede Menge Bärlauch und Nanno muss unbedingt jede zweite Pflanze beschnuppern. Darum kommen wir auch nur langsam vorwärts.

Immerhin, nach anderthalb Sunden stehe ich in Barnard-Castle im Postoffice und versuche mal, meine alten Pfundnoten zu tauschen. Nichts zu machen, das kann offenbar nur eine Bank und die gibt es nur im nächstgrösseren Ort, in Bishop Auckland. Also wird das auf den nächsten Tag vertagt, ich wollte mir die Umgebung ja ohnehin etwas anschauen, bis am Dienstag, 8. April habe ich jetzt massig Zeit.

Gleich gegenüber dem Post-office entdecke ich einen Blumenladen, der auch Hundefutter führt. Dann also nichts wie rein. Das weckt die Lebensgeister meiner Lumpazzi nachhaltig. Sie kommen aus dem Schnüffeln und Wedeln nicht mehr raus. Ich erstehe einen Sack Fischstäbchen (Hundevariante natürlich) und einige Wildstäbchen.

Danach im Laden um die Ecke noch etwas Milch, Käse und Äpfel eingekauft und der lange Fussmarsch zurück kann angetreten werden. Das Schloss schauen wir uns ein andermal an, wir haben ja Zeit. So langsam werde ich richtig müde und sehne mich danach, die Füsse mal etwas hochzulegen.

Der Rückweg ist nicht schneller als der Herweg. Die Hunde sind auch müde, aber vor allem durstig. An einem kleinen Seitenbächlein dürfen sie endlich trinken, der Tee selbst macht mir keinen sehr sauberen Eindruck. Nach der Ankunft beim Randulin gibt’s noch einen kleinen Imbiss, danach ist aber sehr schnell einmal Nachtruhe angesagt.

Morgen dann einmal nach Bishop und versuchen, das blöde Noten-Problem zu lösen. Vielleicht sehen wir unterwegs noch etwas Schönes zum Anschauen.

Ähnliche Beiträge