Wells Cathedral
Wir schlafen tatsächlich bis um halb acht. Dann erst mal duschen. Es verspricht schon wieder ein schöner, heisser Tag zu werden. Die kühle Brise am Morgen ist angenehm für den Morgenspaziergang. Im Städtchen dürfte es dann jedoch heiss werden.
Um zehn Uhr sind wir mit allem fertig, Frühstück, Aufräumen und Innenreinigung. Dann Strom abgehängt, Campingstühle rausgestellt und los geht’s. Um elf Uhr zweiundzwanzig steht der Randulin auf dem Parkplatz von Morrisons, einem grossen Einkaufszentrum. Das erlaubt zwei Stunden gratis Parkieren und ist nur fünfzehn Minuten Fussmarsch von der Kathedrale entfernt.
Naja, fast. Ich verlaufe mich wieder mal. Es dauert ein Weilchen, bis ich herausfinde, welche der vielen Gassen die Richtige ist. Danach sind wir tatsächlich in fünfzehn Minuten vor der Kathedrale. Wohl eine der schönsten gotischen Kathedralen, die in England gebaut wurden. Und eine der ersten. Um 1240 gebaut weist sie eine der grössten Galerien mittelalterlicher Skulpturen der Welt auf (gemäss Prospekt). Die Galerie ist eindrücklich.
Noch viel imposanter sind allerdings die drei Scherbögen. Sie sehen einzeln und in der Gesamtheit imposant, elegant und himmelstrebend aus. Dabei handelt es sich um eine geniale Lösung von 1338, um absinkende Turmfundamente zu stabilisieren. Das dritte Element, das es mir angetan hat (auch die letzten drei Mal, als ich zu Besuch hier war) ist der Kapitelsaal.
Ein achteckiger Saal mit aufstrebender, tragender Säule in der Mitte. Dank den vielen, sehr hohen Glasfenster rundum ist der Saal hell und freundlich. Er wird auch heute noch für offizielle Anlässe genutzt. Zu diesem Saal führt eine geschwungene Steintreppe hoch. Diese wird offensichtlich seit Jahrhunderten von tausenden von Füssen emsig genutzt. Sie ist völlig ausgetreten. Das trägt zusätzlich zum erhabenen Ambiente des Ortes und der Architektur bei.

Vor allem, wenn man bedenkt, dass alles, Kathedrale, Kapitelsaal und Scherenbögen bereits um 1348 fertiggestellt waren. Und die ganze englische Geschichte seither unbeschadet überstanden haben.
Danach noch eine gute Stunde im bischöflichen Garten spaziert. Auch dieser wurde bereits zu Beginn mitgedacht. Hier entspringen mehrere Frischwasser-Quellen (die dem Ort den Namen gegeben haben «Wells» für Quellbrunnen). Die Lumpazzi möchten sich dringend abkühlen. Das ist das Einzige, was sie nicht dürfen. In der Kathedrale und im Kapitelsaal waren sie zugelassen und wurden sogar ausdrücklich begrüsst.

Auf dem Rückweg kommen wir dann an all den Läden auf dem grossen Platz wieder vorbei. Es hat praktisch vor jedem Hundeschüsseln mit Wasser. Ausserdem fliesst mitten durch die Strasse ein offener Bach mit klarem Wasser. Die Hunde dürfen ihren Durst ausreichend stillen.
Zurück beim Randulin gehe ich noch schnell etwas Sprudelwasser und Früchte einkaufen. Frische Erdbeeren!!!!! Es wird Zeit, nach Hause zu fahren. So langsam nehmen die Gelüste nach frischen Früchten und Gemüsen überhand. Die Ernährung unterwegs im Camper kann etwas eintönig werden.
Nachmittags um fünfzehn Uhr sind wir wieder im Camping. Die Lumpazzi hängen schlapp in den Sesseln. Die nächsten zwei Stunden schlafen sie tief und fest. Währenddessen esse ich mein Sandwich (wieder mal glutenfrei bei Morrisons erhalten) und schnabuliere die ganzen Erdbeeren auf einmal weg. Danach noch ein Mokka und die Welt ist ziemlich in Ordnung.
Um siebzehn Uhr verlangt Nanno zu meiner Verblüffung nach einem Spaziergang. Eigentlich wollte ich gerade mit dem Reisetagebuch weiterfahren. Aber wenn mein kleiner Senior so beharrlich stupst und lächelt, dann ist wohl ein Spaziergang angesagt.
Ich versuche nochmal nach dieser Spazierkarte von gestern einen nicht allzu langen Weg zu finden. Hoffnungslos. Wir landen nach einer halben Stunde bei einem grossen Bauernhof. Ganz am Ende neben dem Wohnhaus wird dann ein Gatter sichtbar. Das führt dann tatsächlich auf einen der Laufwege. Ist allerdings mehr Zufall, dass ich endlich identifizieren kann, wo wir uns genau befinden. Danach ist der Rückweg kein Problem mehr. Nach einer Stunde sitzen wir alle drei wieder im Randulin und die Lumpazzi bekommen ihre tägliche Ration Leckerli. Der Abendspaziergang heute wird gestrichen. Wir sind genug gelaufen. Jetzt ist ausruhen angesagt.
Morgen geht die Fahrt weiter nach Bude in Cornwall. Dort bleibe ich wieder ein paar Tage. Rundherum hat es so viele Sehenswürdigkeiten. Wahrscheinlich muss ich dann noch weiter an der Südspitze und ganz im Süden der Halbinsel, nach dem Dartmoor Wood noch ein paar Tage einschalten. Und gelegentlich müsste ich mich entscheiden, wann ich den Shuttle unter dem Kanal durch nehme. Den muss ich dann rechtzeitig buchen. Grosso modo spuckt mir der 30. oder 31. Mai im Kopf herum. Wenn ich entlang der Südküste zurückreise, gäbe es da dann auch noch sehr viele Sehenswürdigkeiten. Nicht zuletzt wäre da noch Canterbury mit seiner Kathedrale. Aber das sind erst Ideen, noch nichts Konkretes. Jetzt erst Mal Schluss für heute.
