Holy Island

Heute Freitag ist ein Arbeitstag vorgesehen, also genau genommen, müssen jetzt dringend 1’500 Fotos verarbeitet werden. Nach einem längeren Morgenspaziergang durch Beadnell gibt’s Frühstück und danach an die Arbeit.

Alle zwei Stunden gibt’s eine längere Pause mit Spaziergang. Während ich im Randulin arbeite, schlafen die Lumpazzi im Gras in der Sonne vor dem Randulin. Ab und zu bewegen sie sich zur Wasserschüssel, aber sonst geniessen sie den faulen Tag.

Abends um 20 Uhr endlich sind alle Fotos verarbeitet und gesichert. Jetzt muss ich nur noch ausknobeln, wie ich die Bilder auf den iPad bringe, dann kann ich sie für fast alle meine Freunde verwenden. Morgen Samstag geht es dann früh los nach Seahouses, alles so einrichten, dass auch der Samstags-Ausflug wieder ein toller Erfolg wird.

Samstag, 12. 4. – Holy Island und Puffins

Vor lauter Nervosität, heute auch ja früh genug in Seahouses zu sein, wache ich früh um halb sechs auf. Erst mal duschen, Morgenspaziergang und ordentliches Frühstück. Danach ist es dann neun Uhr, genau richtig, um loszufahren. Eigentlich sind es nur 4 Kilometer, oder 5 Minuten. Bei meinem Erkundungsspaziergang am Donnerstag durfte ich feststellen, dass in dem kleinen Ort Parkplätze Mangelware sind. Parkplätze für grosse Camper wie der Randulin erst recht. Da lohnt es sich bestimmt, früh vor Ort zu sein.

Um diese Zeit herrscht noch kein Mangel an Abstellmöglichkeiten. Ich finde einen sehr guten Platz, ganz hinten, so dass ich gut wieder wegkomme, den Randulin aber auch gut lüften und schattieren kann. Das werde ich später brauchen. Auch heute verspricht wieder ein heisser, sonniger Tag zu werden. Um 9.30 Uhr ist alles eingerichtet, die Parkgebühr für den ganzen Tag bezahlt und die Hunde fertig angeleint für einen sehr langen Spaziergang.

Zuerst gleich runter an den Hafen und das Ticket für die Schifffahrt sowie den Eintritt für Holy Island abgeholt. Die Insel steht unter dem Schutz des National Trust, also muss ich nichts bezahlen. Trotzdem benötige ich den Stempel auf dem Ticket, damit ich an Land darf. Heute müssen die Hunde mal im Randulin bleiben für die Zeit der Bootsfahrt. An Land dürften sie nicht und während einer Stunde allein auf dem Boot lassen will ich sie nicht. Dann doch lieber im gut geschützten Randulin, mit Schatten und Wasser. Nach einem zweistündigen Spaziergang dürften sie ausreichend müde sein, dass sie ein paar Stunden schlafen wollen.

Pünktlich um Viertel nach Zwölf stehe ich wieder am Hafen. Die Lumpazzi sind gut versorgt im Randulin. Jetzt wäre noch gut Zeit für einen Becher The. Dafür muss ich allerdings fast eine halbe Stunde anstehen. Ich habe Zeit, darum macht es mir nichts aus, der vordersten Frau in der Schlange bei einer hochkomplexen Familienbestellung zuzuhören und -schauen. Alle paar Sekunden kommt wieder eines der Kinder vorbeigaloppiert (wortwörtlich, keine Ahnung, warum die nicht normal laufen können) und bestellt noch etwas dazu, etwas anderes oder für den Vater noch etwas.

Die Engländer vor mir schauen dem Treiben zuerst amüsiert, dann zunehmend ungeduldig zu. Schlussendlich erbarmt sich offenbar die Grossmutter der Familie und fängt an, die fertigen Esswaren zu verteilen und setzt der Endlosschleife einen Stopp. Danach geht’s nicht mehr lange und ich halte meinen siedend heissen The in der Hand. Den mag ich dann gerade so trinken und den Pappbecher ordnungsgemäss in einem Mülleimer entsorgen, da heisst es auch schon einsteigen.

Diesmal ist es ein kleineres Boot, nicht mehr doppelstöckig, sondern nur noch ein offenes Verdeck unten. Da laufen rundum Bänke, in der Mitte zwei grosse Kasten mit den Rettungsbooten und -Utensilien. Nachdem alle Passagiere Platz genommen haben, folgt die Sicherheitsinstruktion. Nur gut, sind die Lumpazzi im Randulin, hier wären sie nicht wohl. Und los geht’s.

Das Boot kann viel weniger Leute aufnehmen als jenes vom Donnerstag. Eigentlich ein umgebautes Fischerboot, also deutlich näher am Wasser. Zu Beginn des Ausflugs ist das Wetter sehr schön, stahlblauer Himmel, wenig Seegang, nur ein eisiger Wind aus Westen. Zum Glück habe ich heute daran gedacht, eine warme Jacke mitzunehmen.

Der Bootsführer fährt direkt zu den Farne-Islands hinaus. Danach dreht er eine Runde um die Inner Farne Islands, wo er ein Plätzchen kennt mit einer ganzen Gruppe grauer Seerobben.

Danach dreht er eine weitere Runde in die andere Richtung und wir bekommen prima Bilder von den Basstölpel. Auch die Krähenscharben sind eindrücklich Und die vielen Dreizehenmöven, sehr elegante Tiere.

Das Highlight kommt nach einer Stunde. Mittlerweile bin ich trotz warmer Jacke völlig durchgefroren. Die Landung am Steg von Holy Island ist etwas ruppig, der Seegang hat deutlich zugenommen. Mit dem Wind kommen auch vermehrt Wolken auf, Regenwolken, wenn mich nicht alles täuscht.

Ich geniesse es, an Land zu gehen. Etwas laufen wärmt auf, und hier hat es auch massenweise Puffins, aber auch Tordalke, Basstölpel und mehrere verschiedene Mövenarten. Ob all der vielen guten Fotosujets kann ich meine blauen Hände etwas vergessen. Fotografieren geht auch völlig durchgefroren. Die Stunde vergeht im Fluge. Die einen Vögel sind sich am paaren, die Puffins noch ihre Nester am Vorbereiten. Man könnte stundenlang zuschauen. Wenn mir nur nicht so kalt wäre.

Und schon ist wieder Zeit einzusteigen. Ich setze mich so weit hinten wie möglich hin, behalte den Rucksack gleich auf, das schützt mir wenigstens den Rücken etwas vor dem nun deutlich zunehmenden Wind.

Die Rückfahrt wird ruppig. Nicht nur der Wind, auch der Wellengang hat zugenommen. Und nun rächt sich, dass das Bootsdeck nahe beim Wasser ist. Ab und zu schwappen Wellen über die Bordwand. Das gibt ordentlich nasse Füsse für alle, die lediglich Sneakers tragen. Ich habe wie immer meine Trailschuhe an, mit denen laufe ich sicher und die dürfen auch nass werden, die lassen kein Wasser durch. Nach einer halben Stunde laufen wir in den Hafen ein. Müde, durchfroren und ein Riesenerlebnis reicher. Nun noch schnell ein paar Lebensmittel eingekauft, auf dem Weg zum Randulin und dann nichts wie zurück nach Beadnell.

Im Randulin ist es angenehm kühl, für die Hunde. Zu kühl für mich. Nach ein paar Minuten sind alle Lucken wieder zu, die Treppe eingefahren und die Fahrt geht zurück ins Camp. Dann noch etwas Frischwasser einfüllen. Diesmal mit dem Schlauch. Die Übung von vorgestern mit dem fünf-Liter-Kanister war etwas gar mühsam. Danach früh Feierabend. Die Fotos kann ich dann morgen Sonntag verarbeiten.

Ähnliche Beiträge