Vogelsafari in North Berwick
Um sechs Uhr kann ich nicht mehr schlafen. Die Nervosität, heute alles richtig zu machen steckt mir im Kopf. Heute gibt’s nur Katzenwäsche. Die Hunde sollen in den Genuss eines langen Morgenspaziergangs kommen. Wenn ich richtig gerechnet und geplant habe, müssen sie nach der Ankunft in North Berwick mindestens drei Stunden im Auto warten. Das geht besser, wenn sie bereits etwas Energie losgeworden sind.
Danach Frühstück und Randulin fertig machen (so wie täglich kurze Innenreinigung, sonst fliegen zu viele Hundehaare rum) und viertel vor neun Uhr losgefahren. Gemäss Navi müsste ich um neun Uhr fünfundvierzig in Berwick ankommen.
Womit ich nicht gerechnet habe, bei Haddington wurde seit gestern Abend eine grössere Baustelle eingerichtet. Diese wird vom Navi etwas kompliziert mitten durch ein Wohnquartier, dann an einer Grundschule vorbei umfahren. Lauter Einbahnen, diesmal mit Hindernisskissen, so dass man zwingend 30 kmh fahren muss. Nach einer Viertelstunde ist auch das überstanden. Interessanterweise scheint das Navi diese Umfahrung einkalkuliert zu haben. Die Ankunftszeit ist immer noch viertel vor zehn.
Ausserhalb von Haddington geht die Fahrt durch zwei Kreisel hintereinander. Beim ersten ist die dritte Ausfahrt gesperrt, da wird gearbeitet. Vor lauter Aufregung verpasse ich die zweite Ausfahrt, die etwas nach hinten versetzt, nur wenige Meter hinter der Ersten folgt und fahre daran vorbei. Die dritte Ausfahrt halte ich für die zweite, die ist aber gesperrt, also nochmal zurück nach Haddington und via ein paar Seitenstrassen umgedreht. Dann wieder in den Kreisel. Da ich immer noch verwirrt bin, bleibe ich diesmal so lange im Kreisel, bis ich die richtige Ausfahrt identifiziere. Das ist das Gute an dieser Verkehrsführung, man kann so lange rundherum fahren, bis man zu einem Entschluss kommt.
Danach sind es nur noch wenige Kilometer bis North Berwick. Trotz der Umwege komme ich dort immer noch um viertel vor zehn an. Ich parke am vorgesehenen Ort. Die Strandallee ist immer noch gesperrt. Dann bezahle ich die Gebühr für den ganzen Tag parkieren, diesmal GBP 8. Den Randulin verdunkle ich auf der Ostseite. Das Wetter scheint heute ausserordentlich schön und warm zu werden. Also öffne ich die Dachluke und schattiere die Frontscheibe. Die Lumpazzi bekommen eine grosse Schale Wasser. Danach packe ich den Fotorucksack mit der Regenhose, nehme noch eine warme Fleece-Jacke mit Kapuze mit, setze eine Mütze auf und ziehe die Regenjacke an. Auf dem Boot wird es kalt sein, trotz schönem, sonnigem Wetter.
Auf dem Weg zum Hafen wird mir ordentlich warm, das mit der Mütze war wohl etwas voreilig. Im Büro checke ich ein und darf dann eine halbe Stunde die Ausstellung anschauen. Pünktlich um viertel vor elf laufen wir los zur Anlegestelle des Zodiac. Dort heisst es erst einmal Sicherheitsinstruktion. Jeder Teilnehmer zieht eine Schwimmweste an. Die sind sogar einigermassen bequem. Da wir noch etwas Zeit haben, ziehe ich die Regenhose über.

Im Zodiac sitzen wir recht nahe am Wasser und die Fahrt wird in hohem Tempo zu den drei Inseln zurückgelegt. Da kann schon mal etwas Gischt über den Rand schwappen. Der Rucksack bekommt den Wasserschutz übergestülpt. Dann sind alle bereit zum Einsteigen. Die Fahrt zur ersten Vogelinsel dauert keine zehn Minuten. Vor der Insel muss der Skipper aufpassen, dass er die im Wasser schwimmenden Vögel nicht überfährt. Vorwiegend Kordalche. Auf den Felsen sonnen sich Kormorane und Krähenscharben. Auf der Krete der Felsen stehen die Trottelumen wie Wächter.

Danach geht die Fahrt zum nächsten Vogelfelsen. Darauf streiten sich Trottelumen, Dreizehenmöven und Silbermöven. Und immer wieder einzelne Paare Eiderenten. Nachdem die Insel schon fast ganz umrundet wurde, tauchen auch noch einige Graurobben auf. Sie sind hier heimisch und tanken gerade etwas Sonne und Wärme.

Danach geht die Fahrt weiter zum Highlight der heutigen Safari, zum Bass Rock. Im Meer und am unteren Rand halten sich immer wieder Eiderenten auf. Wie häufig bei den Vögeln, ist der Erpel sehr auffällig in einem schwarz-weissen Frack gekleidet, während die Henne kaum auffällt. Deren Gefieder hebt sich vom dunklen Untergrund kaum ab.
Auf dem Bass-Rock nistet jedes Jahr eine Riesenkolonie Basstölpel. Diese migrieren zwar über den Winter, teils nach Süden, teils ins Nordmeer, kommen aber jedes Jahr Orts treu immer an den gleichen Nistplatz zurück. Mittlerweile nisten auf dem Bass Rock rund 150’000 Basstölpel und der Platz wird etwas knapp. Darum wandern die Jungen teilweise weiter südlich an den Abbs’ Head, in nächsten Vogelschutzgebiet.

Basstölpel sind eine faszinierende Spezies. Sie sind nicht nur Orts treu, sie paaren sich auch fürs Leben. Und dies obwohl die Männchen und Weibchen nicht an den gleichen Ort migrieren, auch nicht zusammen migrieren. Sie finden sich jedes Jahr wieder, und immer wieder am gleichen Ort ein.
Nach anderthalb Stunden ist die Safari leider schon wieder vorbei. Der Tag bisher war warm, sonnig und schön, kein Tröpfchen Gischt ist über die Bordwand gekommen, das Meer war vollkommen ruhig.
Wie wir wieder an Land sind, hält das Wetter nicht mehr sehr lang. Es reicht gerade noch für einen langen Spaziergang mit den Lumpazzi am Strand. Danach besorge ich uns noch eine Portion fish and chipps. Für mich den Fisch, für die Lumpazzi die Kartoffeln. Im Westen über North Berwick türmt sich langsam eine schwarze Wolkenbank auf und es wird empfindlich frisch.
Um drei Uhr fahren wir zurück Richtung Lauder Camping. Unterwegs fängt es dann an zu regnen. Nicht viel, die Frontscheibe wird etwas nass.
Heute war unser letzter Tag hier im schottischen Grenzgebiet. Morgen dann das Grauwasser nochmal entleeren, alles saubermachen, die Vorräte sind aufgefüllt. Dann kann die Fahrt weiter Richtung Nord-Westen gehen. Ziel ist Millarochi am Loch Lomond und nahe beim Trossachs-Nationalpark.
