Ankunft in England
Wie immer am Anfang einer längeren Reise, Planung und Vorbereitung dauern endlos lange. Dann plötzlich ist er da, der Tag, an dem die Reise losgehen soll. Und selbstverständlich ist noch alles Mögliche zu erledigen. Zwar alles geplant, trotzdem, die richtige Reihenfolge ist entscheidend.
Wie erwartet, geht kurz vor der Abreise, nämlich ausgerechnet am Freitag ein Detail so gründlich schief, dass fast die ganze Reise über den Haufen geworfen wird. Beim Kartoffelrüsten etwas zu schnell mit einem sauber geschärften Messer zügig durchgezogen und schon ist die halbe Fingerkuppe weg. Blutet wie sonst was. Nach zwei Stunden dann endlich beschämt den Arzt angerufen, ich darf zum Glück sofort vorbeikommen. Ein paar Hafte wären da wohl angebracht. Das wäre allerdings sehr unpraktisch, ich müsste in 10 Tagen wieder vorbeikommen, die Naht herausnehmen lassen. Also das Ganze zusammengeleimt. Sieht grauslich aus, aber hält und hat aufgehört zu Bluten.
Dann am Montag dann halt mit verbundener Pfote zuerst die Hunde gegen Fuchsbandwurm behandeln lassen, den Randulin geholt, die Wechselnummern gleich mitgenommen und dann alle frischen Lebensmittel und Reste aus dem Kühlschrank umgepackt in den Randulin. Danach noch den Abfall zusammengesucht, die Geschirrwaschmaschine ausgeräumt, eine letzte kursorische Reinigung durchgeführt. Anschliessend mit den Hunden ein längerer Spaziergang zur Apotheke, weil im letzten Augenblick letzte Woche festgestellt, dass ein wichtiges Medikament nicht in ausreichender Menge für 3 Monate vorhanden und erst am Montag verfügbar ist. Und endlich kann es losgehen.

Zuerst aber noch zur Entsorgung des Abfallsacks. Da ist dann auch gleich die Autowaage. Vor längeren Reisen mache ich das immer, einfach vorbereitet sein, auf Fragen nach dem Gewicht des Randulin. Zu meiner Überraschung bringe ich 3,530 Tonnen auf die Waage. Ist aber verständlich, der Grauwassertank ist nicht leer und der Frischwassertank ca. zur Hälfte gefüllt, der Dieseltank ist ganz voll. Ausserdem sind Vorräte und Hundefutter für 3 Monate drin, also durchaus erklärbar.
Mit bestem Gewissen tuckere ich um 10.30 Uhr Richtung Vereina und erstem Autoverlad los. Danach geht es ohne Hast immer dem Navi nach. Zu meiner Überraschung führt das zuerst Richtung Zürich, dann aber mitten durch das Zürcher Weinland, Richtung Schaffhausen und Singen, dann quer durch den Schwarzwald nach Freiburg im Breisgau und Kehl. Kehl liegt gleich gegenüber Strasbourg. Eine sehr schöne Fahrt, ohne Hektik, ohne Staus und durch eine interessante Landschaft. In Kehl dann etwas gesucht, der Stellplatz ist nicht so das, was ich mir für die erste Nacht unterwegs vorgestellt hatte. Es gibt eine zweite Möglichkeit, auf der anderen Seite des Städtchens gleich am Rhein. Der Campingpark-Kehl. Sauber, freundlich und mit einem guten Restaurant. Innert 5 Minuten ist eingerichtet und ich kann mit den Lumpazzi auf einen langen Spaziergang. Anschliessend ein ordentliches Huftsteak im Restaurant und eine ruhige Nacht verbracht.
Am Morgen des 18. März dann innert weniger Minuten alles erledigt, den Grauwassertank endlich geleert und los geht’s Richtung Calais. Heute ist wichtig, dass ich so weit wie möglich komme, möglichst bis Calais. Immerhin 694 Kilometer, also keine Kleinigkeit, das allein zu fahren und auch noch regelmässig Pipi-Pausen für die Lumpazzi zu machen. Ich nehme die kürzeste, vom Navi vorgeschlagene Strecke. Alles über französische Autobahnen, immer noch 7 Stunden, dazu dann die Pipi-Pausen, summiert sich das zu 10 Stunden unterwegs. Na denn, frei nach dem Motto, «hast Du’s eilig, mach mal langsam» fahre ich um 9.30 los.
Am Anfang etwas gestresst, das Navi führt mitten durch Strasbourg. Ist zwar interessant, aber momentan habe ich grad keinen Kopf dafür. Nach kürzester Zeit finde ich mich auf der Autobahn Richtung Paris wieder. Und dann kommt auch schon die erste Maut-Stelle. Ich ziehe mal ein Ticket und fahre weiter. An der nächsten Mautstelle will das System Geld, gibt aber kein neues Ticket aus. Also weiter. Dann wieder eine Mautstelle. Da einfach bezahlen, ohne Ticket und weiter. Dann kurz vor Reims wieder eine Mautstelle, diesmal wieder Ticket fassen. Die nächste Mautstelle ist dann bereits kurz vor Calais. Insgesamt gebe ich über den ganzen Tag fast EUR 100 für Maut aus, kann aber dafür ohne Stress durchfahren und komme trotz längeren Pausen um 16.30 in Calais in der Aire de Camping-cars an.
Das muss man den Franzosen lassen, super organisiert und ohne Aufregungen, bis und mit Stellplatz. Da einfach Campingkarte beziehen, bezahlen und alles ist inklusive. Danach ein langer Spaziergang an den Strand. Die Lumpazzi dürfen erstmals ihre Pfoten in den warmen Sandstrand versenken. Obwohl sie heute schon viel gelaufen sind (Autobahnraststätten in Frankreich sind richtig gross und sauber), geniessen meine beiden Hunde die fremden Gerüche sichtlich.

Auf dem Rückweg komme ich hier sicher wieder vorbei und nehme mir etwas Zeit, Calais noch zu erkunden.
Der Tag fängt früh an. Genau genommen, kann ich nicht mehr schlafen, ich bin nervös. Einmal im Leben ist immer das erste Mal und heute ist so ein Tag. Der Ablauf muss genau eingehalten werden. Wenn alles richtig läuft, bin ich mittags bereits in Folkestone.
Trotz allem, den Tag so angefangen wie immer auf Reisen. Katzenwäsche, dann mit den Lumpazzi ein langer Früh-Spaziergang, dann ordentliches Frühstück und alles wieder zusammengepackt. Entsorgen oder entleeren brauche ich heute nichts. Der Frischwassertank ist auch bereits nur noch 25% voll, also dürfte auch das Gewicht mittlerweile stimmen.
Danach um 9.30 gestartet und das Navi auf den LeShuttle-Terminal programmiert. Da erschrecke ich das erste Mal so richtig. Gemäss Navi dauert die Fahrt bis 11.16 Uhr. Für 8 km anderthalb Stunden, ja Bravo. Es dauert dann effektiv eine Viertelstunde und wir sind beim Veterinärcheck-in. Alles leer, Randulin ist das einzige Auto auf dem riesigen Parkplatz. Ich lasse mich nicht abschrecken, packe Buchungsbestätigung für den Autozug, die Pässe und die Lumpazzi und marschiere in den Container. Drei Schalter besetzt und niemand da, der sie in Anspruch nimmt.
Der Check dauert 5 Minuten, am Schluss muss ich noch die beiden Chips der Lumpazzi einlesen. Und das wars dann auch schon. Ich bekomme einen Zettel für die beiden Hunde, den soll ich an die Windschutzscheibe kleben und gleich zum Check-in fahren.
Es ist 10.10 Uhr, als ich beim Check-in ankomme. Das dauert auch keine zwei Minuten, ich bekomme einen weiteren Zettel, den ich an die Windschutzscheibe kleben soll. Das lasse ich dann mal lieber und hänge den einfach an den Hacken an der Windschutzscheibe. Wenn das so weitergeht, sehe ich bald nicht mehr raus. Danach fahre ich mal den Zeigern in ein wahres Labyrinth auf einem riesigen Parkplatz. Zum Glück steht da eine nette Dame ganz in Orange. Sie erklärt mir, ich sei ca. 2 Stunden zu früh, ich solle erst mal parkieren und mit den Hunden etwas spazieren. Der Zug würde rechtzeitig aufgerufen. Und siehe da, überall hat es riesige Anzeigetafeln, auf denen permanent Züge aufgerufen werden, oder Hinweise darauf, dass man noch warten solle.

Nach zwei Stunden herumspazieren mit den Hunden ist es endlich so weit, mein Zug C3 wird in 13 Minuten aufgerufen. Dann mal langsam einsteigen mit zwei gut gelüfteten Hunden, nochmals sicherstellen, dass alle Gas-Hahnen zu und abgestellt sind, und los geht’s. Das Labyrinth hat es wirklich in sich, auf einer riesigen asphaltierten Ebene sind Betonelemente richtungsweisend so aufgestellt, dass es äusserste Konzentration erfordert, in all den Schildern und Hindernissen den Weg zu den beiden Zollkontrollen zu finden. Die sind dann wieder völlig unproblematisch, ausser meinem eigenen Pass wollen die gar nichts sehen und weisen mich an einfach den grünen Lichtern nachzufahren.
Nichts mehr mit C3 oder irgendwo auf den richtigen Zug warten. Einfach in die nächste freie Kolonne einstehen und warten, was passiert. Nun bin ich mindestens eine halbe Stunde zu früh für den von mir gebuchten Zug. Das hat offenbar keinerlei Bedeutung.
Einfach einstehen und mit den anderen Fahrzeugen auf den Zug fahren, die Zug-Mitarbeiter winken freundlich und weisen ein. Nach wenigen Minuten ist der Randulin und damit auch wir verladen und um 12.16 fährt der Zug pünktlich los. Ich komme grad ein Sudoku zu lösen und der Zug hält auch schon wieder. Das ging jetzt so schnell, das Ausladen noch schneller, da verpasse ich vollkommen, das Navi auf Hastings zu programmieren.
Also grobe Richtung los nach London, am besten auf der Autobahn, da gewöhnt man sich am schnellsten und einfachsten an den Linksverkehr. Gelegentlich wird dann schon eine Raststätte oder Tankstelle auftauchen, wo ich raus kann und das Navi programmieren.
Das erweist sich nicht als notwendig, Hastings taucht noch bald einmal auf den Schildern auf. Linksverkehr ist gar nicht so schlimm zum Angewöhnen, einfach immer den Beifahrerspiegel etwas im Auge behalten. Wir kommen nach kürzester Zeit an die Küste. Dort gibt es erst mal einen Halt. Einerseits müssen die Hunde mal raus, die Beine strecken und eben, das Navi sollte endlich auf Shearbourne Camping programmiert werden.
Um ca. 14 Uhr (Lokalzeit, die Engländer sind eine Stunde hintennach in Relation zum Kontinent) mache ich Halt vor Shearbourne Camping. Ziemlich spannend, wie man da hinkommt. Hastings erweist sich als verwinkelt mit schmalen Strassen, auf denen links und rechts parkiert wird. In der Mitte passt jeweils genau ein Auto durch. Ausserdem ist Hastings hügelig mit kurvigen Strassen. Man kann sich vorstellen, dass ich Blut und Wasser schwitze, in dieses Labyrinth reinzufahren, auch wenn der Randulin wendig und nicht mehr ganz so gross ist, wie seine grosse Schwester die Randulina. Trotzdem, ich frage mich noch, wie ich hier wieder rauskomme.
Gehe aber erst mal an die Reception und frage nach einem Platz. Da folgt die erste unangenehme Überraschung der Reise bisher. Shearbourne Camping macht erst am 14. April auf. Sie empfehlen mir aber, einen Campingplatz bei Battle und geben mir auch gleich die Telefonnummer. Also rufe ich an und frage nach einem Platz für die Nacht. Der Empfang ist schlecht und ich verstehe kaum ein Wort, einzig, ich solle einfach vorbeikommen, sie hätten schon Platz.
Also dann, das Navi neu programmiert auf Bluebell Coppice Park bei Battle. Ein abenteuerliches Wendemanöver in der Einfahrt des Shearbourne Camping und dann alles durch die verwinkelten Strassen zurück aus Hastings hinaus in Richtung Battle. Bei so engen Verhältnissen ist es nicht immer ganz einfach, konsequent sich auf den Linksverkehr zu konzentrieren, aber es geht alles gut und ich komme sicher und wohlbehalten wieder aus der Stadt raus.
Kurz danach die ersten Erfahrungen mit Englands Landstrassen. Schmal und voller Schlaglöcher. Ausserdem an allen möglichen und unmöglichen Ecken Baustellen. Zum Glück mit Verkehrsampeln. Und vielen, riesigen Lastwagen, die grad knapp auf Strassen passen. Als Sahnehäubchen am Schluss meines Weges zum Bluebell Coppice geht es durch eine einspurige Allee mit Eichen, Buchen und anderen riesigen Bäumen links und rechts des Weges. Ein wenig hohle Gasse, einfach englisch, schmal und Sicht auf wenige Meter vor der Nase begrenzt. Nix mehr mit Linksverkehr, einfach stur auf Mitte gefahren und versucht, weder links noch rechts irgendwas Hartes zu streifen.
Bluebell Coppice erweist sich als Juwel mitten in einem verwunschenen Wäldchen. Massenhaft Platz, ich kann aussuchen, Strom inklusive, alles sauber und zur freien Verfügung. Die Hunde haben Freilauf in einem Hektar Wald, der dazugehört. Welch ein Paradies. Allerdings, die Lumpazzi lasse ich mal nicht von der Leine, es hat jede Menge Kaninchen und Fasane. Das wäre dann doch etwas mühsam, sie vom Jagen abzuhalten.

Nach einem ausgedehnten Spaziergang bekomme ich vom Inhaber sogar frei Auto 6 frische Landeier und vier riesige Schinken-Tranchen frei Randulin geliefert. Dann erst mal etwas zu Essen gemacht und die Hunde versorgt. Danach ein früher Abend.
Fazit des Tages: Der Shuttle erschien zuerst bürokratisch, dann überraschend gut und einfach organisiert. Und ohne Probleme in England an einem unerwartet schönen Ort angekommen. So darfs weitergehen.
