Stonehenge, nach 45 Jahren

Seit wir zu Hause losgefahren sind, ist das Wetter warm und trocken, richtig frühlingshaft. Das ist auch in England so geblieben. Der Morgen in Bluebell Coppice tagt klar und mit blauem Himmel. Die Fahrt heute führt nach Stonehenge. Das Navi schlägt drei Routen vor: eine über die Autobahn nach Norden, dann nach Westen Richtung Salisbury, das wäre die kürzeste mit ca. 2 Stunden. Die Zweite an der Küste entlang, nach Eastbourne, Brighton, Chichester, an Southampton vorbei nach Salisbury und Stonehenge, die Dritte nach Lewes, Haywards Heath, an den South Downs vorbei, durch Winchester durch dann quer über Land an Salisbury vorbei direkt nach Stonehenge. Die Dritte ist die längste Variange, da sie mehrheitlich über Land führt.

Heute habe ich Zeit, also wähle ich die Dritte. Nun ja, Übermut tut nie gut, die Quittung folgt auf dem Fuss. Statt der erwarteten 4 Stunden Fahrt dauert das Ganze dann fast 6 Stunden. Und die Engländer fahren auch auf Landstrassen wie die Irren, 60 mph sind erlaubt, heisst umgerechnet ca. 100 kmh. Und wenn man mal etwas langsamer durch die engen Strassen um die Schlaglöcher kurvt, kann man schon einmal von einem ungeduldigen Laster an gehupt werden. Nun verstehe ich langsam, warum die alle paar Meter Reifenpannen haben.

Trotzdem ich fahre stur, das Tempo, das mir am ehesten bekommt, konzentriere mich auf den Linksverkehr, auf die vielen Laster und Baustellen und gut ist. Das erweist sich als die beste Taktik. Obwohl ich nicht sehr viel links und rechts wahrnehme, sehe ich doch eine sehr abwechslungsreiche Landschaft, schöne Städte (Winchester, denn die Route führt mitten hindurch, mit winzigsten Kreiseln!!) und komme gegen 15 Uhr wohlbehalten in Stonehenge Campsite an. Den Platz hatte ich am Vorabend noch gebucht, diesmal für zwei Nächte. Nach 45 Jahren zum ersten Mal wieder in Stonehenge, da will ich mir wirklich Zeit lassen, das Monument richtig anzuschauen.

Das Internet funktioniert grad nicht, wie ich beim Camping ankomme. Ich soll einfach mal reinfahren, mich umsehen und den Platz wählen, der mir am besten gefällt. Zum Stonehenge könne man laufen, seien nur ca. 4 km und einfach den Feldern nach, so in anderthalb Stunden sei ich dann da.

Alles gut, ich wähle einen schön ebenen Platz, schliesse Strom an, schnappe mir die Lumpazzi und die grosse Kamera und marschiere los. Das erweist sich als fast schon selbstmörderisch. Die Engländer bauen auf dem Land keine Trottoirs und wenn es heisst, einfach den Feldern nach, ist eher gemeint, einfach quer über die Felder, grobe Richtung Monument. Nach anderthalb Stunden quer über die Felder, mehreren Hasen und Fasanen habe ich vom aktuellen Krafttraining genug und drehe ca. 1 km vor dem Monument um, wir marschieren zurück.

Das versuche ich morgen nochmal, aber mit dem Randulin. Laufen ist zu gefährlich und vor allem zu lang. Vor allem bei diesen hohen, ungewohnten Temperaturen, den ganzen Tag über 15 Grad plus, das ist für mein Körpergefühl schon fast Sommer.

Freitag, 21. März – Stonehenge

Der Tag heute fängt ungewohnt an. Sonst gehe ich immer noch vor dem Frühstück auf eine kurze Hunderunde. Heute lasse ich die aus, es gibt gleich Frühstück. Danach einen Campingstuhl rausgestellt, zur Kennzeichnung, dass der Platz reserviert ist, den Strom abgehängt und los geht’s, die kurze Strecke bis zum Visitor’s Center von Stonehenge.

Während der Fahrt dorthin – es sind auf der Strasse gerade mal 8 km – wird mir nochmal klar vor Augen geführt, warum das gestern nicht funktionieren konnte. Es gibt wohl einen Fussweg quer über die Felder, der ist auch kürzer als die Strasse, nur beginnt der auf der nördlichen Seite des Dorfes. Und das hat Maps nun wirklich nicht auf dem Radar.

Bereits um 9.30 bin ich auf dem riesigen Parkplatz angekommen. Es sind erst wenige Autos hier, dafür kommen laufend Busse aus allen Richtungen an und entladen ihre Touristenfrachten. Ich laufe mal mit Kamera bepackt, den beiden Lumpazzi und diesmal mit meinen Mitgliedschaftskarten zum Eingang. Dort werden wir alle drei freundlich in Empfang genommen. Mit den Hunden darf man (leider) nicht ins Monument rein, dafür hat es viele Laufwege rundherum, zu den Barrows und dem Cursus, also mehr als ausreichend Gelegenheit für einen ausgedehnten Spaziergang mit etwas Sightseeing.

Mit meiner Membership-Card vom National Trust darf ich sogar gratis parkieren. Wir laufen dann los in Richtung Monument. Den Hunden gefällts, der Weg querfeldein bietet unzählige Schnuppermöglichkeiten. Die Touristenmassen benutzen Shuttle-Busse, wir haben die Wege praktisch für uns allein. Beim Monument angekommen, dürfen wir rundherum laufen, allerdings durch einen Maschendrahtzaun von den Touristen getrennt. Die finden meine beiden Lumpazzi «cute» und ich bin dankbar für den Zaun. So haben wir unsere Ruhe und Freiheit zu laufen. Das Monument ist gross genug, dass auch so ein paar Fotos möglich sind.

Nach einer Stunde laufen wir dann quer über die Felder wieder zurück zum Visitor’s Center. Die Distanzen hier täuschen gewaltig. Das Monument ist immerhin fast 1,5 km vom Visitor’s Center entfernt, über die Felder natürlich noch etwas mehr. Die Hunde sind ordentlich platt, wie ich sie wieder ins Auto bringe. Danach bleibt für mich ausreichend Zeit, die Ausstellung anzusehen und nochmal mit dem Shuttle-Bus zurück zum Monument zu fahren, um auch von Innen und der anderen Seite noch ein paar Fotos zumachen. Aber vor allem, um all die Erklärungen zu lesen. Ein Riesenfortschritt im Vergleich zu vor 45 Jahren und äusserst spannend. Übrigens, mit der National-Trust-Membership ist alles kostenfrei zugänglich.

Gegen 14 Uhr ist dann genug. Es kommen auch immer wieder Busladungen voller Leute an. Gemäss Gespräch mit einer Wärterin, heute nicht besonders geschäftig, «nur» ca. 2’500 Besucher zu erwarten. Da hatte ich Glück. Ich fahre zurück zur Campsite, parke ein, schliesse an und fülle erst mal Frischwasser auf. Das Wetter ist immer noch schön, also können die Hunde etwas draussen an der Sonne liegen. Während dem mache ich mir zum ersten Mal diese Woche ein warmes Mittagessen (den restlichen Schinken von vorgestern gewürfelt und dann eine fertig-Rösti daruntergemischt) am Schluss noch einen ordentlichen (frisch gemahlenen) Mokka aus meiner Bialetti, so lässt es sich den Tag ausklingen und geniessen.

Nun sitze ich schon einige Stunden am Laptop und schreibe die Erlebnisse der letzten Tage nieder. Nachher noch die Fotos runterladen und eventuell schaffe ich es heute noch, die letzten Tage in meinem Blog aufzuladen. Morgen geht es weiter nach Bath. Sollte eine kurze Distanz sein, aber das kann täuschen, wie ich gestern gelernt habe.

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