Lindisfarne

Eigentlich ein Ziel dieser Reise, aber ich war mir nicht sicher, ob das machbar ist. Aus Gesprächen ist zu entnehmen und was ich aus Reiseführern so nachgelesen habe, führt zwar ein Damm zur Insel. Der ist ungefähr 2 km lang und wird alle sechs Stunden von den Gezeiten entweder überflutet oder freigelegt. Man muss sich also die lokalen Gezeitentabellen beschaffen um sicher rüber zu fahren. Die Flut auszufahren wäre möglicherweise mit dem Randulin möglich. Immerhin ein Allradfahrzeug und einen halben Meter ab Boden hoch. Die Flut steigt hier aber sehr schnell. Da wir uns Vollmond nähern dürfte sie auch recht hoch steigen. Also lieber nichts riskieren.

In Bambourgh am Tag zuvor konnte ich eine Tafel mit den sicheren Zeiten entdecken. Vom Rüber laufen wird dringend abgeraten. Es wäre zwar möglich, sollte jedoch ohne lokalen Führer nicht unternommen werden. Es habe überall Schlammlöcher und Treibsand. Allso definitiv zu riskant mit Hunden.

Nun bin ich heute extra früh aufgestanden. Ich möchte spätestens um 9 Uhr über den Damm fahren. Das angegebene Zeit Fenster für eine sichere Hin- und Rückfahrt dauert von 8.15 Uhr bis 14.35 Uhr. Darum vermute ich, dass ab 9 Uhr der Damm wasserfrei sein dürfte. Ich plane für etwa drei Stunden auf der Insel zu bleiben, das Kloster und das Kastell anzuschauen und dann um 13 Uhr spätestens zurückzufahren.

Nach der üblichen Morgenroutine fahre ich pünktlich um 9 Uhr los. Luftlinie wären das nur 17 km bis Lindisfarne. Effektiv führt die Strasse in einem weiten Bogen um die Küstenlinie herum, was dann 34 km ausmacht. Um 9.30 überquere ich den Damm. Sehr eindrücklich, links und rechts Meer, natürlich auf dem Rückzug bei der herrschenden Ebbe. Es hat trotzdem noch grosse Pfützen auf der Strasse. Der Randulin wird von unten gewaschen.

Ich parke etwas ausserhalb des Dorfes und bezahle die Gebühr für 3 Stunden. Danach laufen wir los Richtung Kloster. Es handelt sich natürlich um Ruinen, heute in der Verwaltung des National Trust. Und zur Abwechslung dürfen die Hunde sowohl ins Museum, wie auch in die Klosterruinen mit rein.

Die Anlage ist nicht besonders gross. Sehr alt, um 900 gegründet von St. Aidan und St. Cuthbert. St. Aidan war federführend in der Christianisierung von Nordengland. St. Cuthbert ein sehr charismatischer Abt und Berater des englischen Königs. Allerdings scheint er seine Wurzeln in Lindisfarne nie verschmäht zu haben und war ein passionierter Naturmensch und Eremit. Seine Reliquie wurde von den Mönchen an mehrere Orte immer wieder mitgenommen. Bis sie schlussendlich in der Kathedrale von Durrham beigesetzt wurde.

Das erscheint heute nicht mehr so bedeutungsvoll. Frappant ist die Ruhe, der Frieden an diesem Ort voller Ruinen. Es scheint fast so, als ob die Aura der Naturverbundenheit der Klostergründer ein Jahrtausend überdauert hätten.

Nach einer Stunde müssen wir (leider) weiter. Ich möchte mir ja noch das Kastell anschauen. Das ist sinnigerweise weit draussen an der Küste der Insel auf einem Felsen gebaut. Fast einen Kilometer Fussmarsch vom Dorf entfernt. Auch hier hats überall Vögel, allerdings auch Schafe. Die Hunde bleiben eng bei mir. Nicht weil sie Angst hätten, sondern weil ich sie diesmal kurz halte. Sie sollen sich die Bäuche nicht schon wieder mit Kaninchendung vollschlagen oder im Schafdung wälzen.

Nach Anderthalb Stunden ist genug gelaufen und wir kehren zum Randulin zurück. Unterwegs erstehe ich noch ein Krabbensandwich. Die habe ich fürs Leben gern, bin allerdings immer etwas vorsichtig. Sie müssen frisch sein, eine Fischvergiftung auf der Reise wäre ziemlich schlecht. Also eigentlich ist das immer schlecht, auf einer Reise aber ganz besonders.

Für die Hunde gibt’s ein paar Leckerli und Wasser. Danach geht’s zurück über den Damm. Es ist 13 Uhr und Zeit zurück zu fahren. Danach noch ein gemütlicher Nachmittag mit Fotos verarbeiten, Zeitung lesen und Hundespaziergang. Das Wetter scheint nur endgültig umzuschlagen. In der Nacht regnet es immer wieder, ich werde davon wach, wie es auf das Dach des Randulin klopft.

Dies war unser letzter Tag in Beadnell Bay. Morgen geht die Fahrt Richtung Schottland, gleich hinter der Grenze nach Lauder. Ruth hat mir noch eine Karte mitgegeben, was ich von hier aus unternehmen könnte. Was aber zuoberst auf meiner Agenda steht, ist ein Besuch bei der Weberei Lochkarron in Selkirk.

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