Bude in Cornwall

Schon wieder bricht ein schöner Tag an. Das wird langsam verdächtig. Seit zwei Wochen kein Regen, nur klarer, blauer Himmel. Der Randulin könnte dringend eine Dusche vertragen. Oder ich muss die nächsten Tage wieder einmal zu Schlauch und Mopp greifen. Die Frontscheibe ist wieder ganz verkleckert mit toten Insekten. Da hilft nicht einmal mehr während dem Fahren mit hochkonzentriertem Scheibenwischwasser wischen.

Wir wachen früh auf. Draussen ist es bereits hell aber noch kühl. Kühl genug, um eine grössere Morgenrunde zu absolvieren. Das erste Mal in zwei Tagen, dass wir uns nicht verlaufen. Vielleicht gewöhnt man sich tatsächlich an diese unmögliche Karte mit Strichen und Punkten, dafür ohne Kompass-Angaben.

Die restlichen Arbeiten danach sind Routine. Frischwasser habe ich gestern Abend noch nachgefüllt. Das geht hier sehr bequem direkt am Platz. Grauwasser zeigt zwar 50%, der Gulli ist aber so schlecht platziert, da komme ich mit dem Randulin nicht dran. Dann noch Chemie-Toilette leeren, Innenreinigung durchführen und los geht’s.

Die Fahrt nach Bude Camping ist etwas länger, heute 206 Kilometer und geht an Exeter vorbei. Das Navi schlägt eine zweite Route vor, nach Taunton auf die Küste zu nach Barnstaple und dann der Küste entlang nach Bude. Das ist zwar etwas länger. Ich verspreche mir, eine interessantere Landschaft. Und vielleicht ergibt sich die Gelegenheit, die eine oder andere Sehenswürdigkeit unterwegs anzuschauen.

Dem ist dann leider nicht so. Nach fast drei Stunden Fahrt stehen wir unvermittelt vor dem Camping. Bereits um vierzehn Uhr. Der erste Abschnitt hatte uns direkt in die Cheddar Schlucht geführt und dann kompliziert aus Cheddar wieder raus, Richtung Südwesten. Ich war eine ganze Weile muff und in Gedanken. Viel zu spät habe ich realisiert, dass diese fröhliche Landpartie nur an kleineren Orten vorbeiführt.

Also eigentlich war das Absicht. Aber unterwegs hätte ich schon gerne etwas Diesel nachgefüllt. Nur die Preise werden von Tankstelle zu Tankstelle höher. Das muss dann warten, bis ich wieder in einer grösseren Ortschaft bin. Vielleicht erst in vier Tagen, ganz im Süden von Cornwall.

Der Frust des Tages ist mit der Ankunft im Camping noch nicht vorbei. Die Lumpazzi sollten dringend etwas länger laufen. Ich auch. Beim Laufen verraucht meine miese Laune normalerweise. Gemäss Angaben des Campingbetreibers muss ich dafür «nur» 400 Yards nach links der (sehr stark und schnell befahrenen) Strasse entlang laufen und sollte dort auf einen «public footpath» treffen. Der würde dann über die Felder und Hügel nach etwa vier Meilen auf Crackington Haven treffen.

Wir laufen los. Ich kann immer noch umdrehen, wenn genug ist. Das Laufen entlang der Strasse ist Nerven zerfetzend. Zorro und Nanno können nicht verstehen, dass sie ganz am Rand laufen müssen, um nicht überfahren zu werden. Es werden die heissesten 400 Yards der ganzen Reise.

Und es wird nicht besser. Ich finde das Hinweisschild zum Pfad. Das fängt auch ordentlich an. Nach hundert Meter müssen wir das erste Gatter überwinden. Ich hebe beide Hunde darüber. Die Bauern hier bilden sogenannte «stiles» an den Tiergattern. Das sind meist zwei durchgehende Holzstufen quer zum Gatter. Das muss man überklettern. Natürlich nichts für kleine Hunde.

Der Weg führt am Rand eines bereits gemähten Feldes entlang. Nach zweihundert Metern der nächste stile. Dann wieder zweihundert Meter und jetzt stehen wir vor einem Metallgatter. Das lässt sich zwar öffnen. Dahinter führt der Weg durch ein fast kniehohes Brennnessel- und Grasfeld. Nach dreissig Metern stehen wir vor dem nächsten Metallgatter. Das ist mit einer Leine gesichert. Also auch da durch. Und dann stehen wir in einem Feld mit einer Herde Mutterkühe mit ihren Kälbern.

Der Pfad führt mitten hindurch. Das ist mir mit meinen beiden Lumpazzi zu riskant. Mutterkühe können auf Hunde recht aggressiv reagieren, vor allem wenn ihre Kälber mit im Feld sind. Also alles wieder zurück, durch die beiden Metallgatter durch, über die stiles zurück zur Strasse. Dann weiter der Fahrstrasse entlang. Vielleicht gibt es einen zweiten Fussweg.

Nach weiteren 500 Metern erreichen wir eine Kreuzung mit Pubs und einem Abzweiger nach dem gesuchten Ort. Allerdings wären es immer noch vier Meilen. Für heute zu viel. Ich kehre um und wir laufen so gut es geht auf dem gegenüberliegenden Grasstreifen zurück. Die Lumpazzi sind nicht begeistert. Da bleibt nur noch kurze Leine. Während dem Fussmarsch zurück (eigentlich nur anderthalb Kilometer) fahren Autos ständig an uns vorbei, meist mit Höchstgeschwindigkeit. Die beträgt hier leider 60 Meilen pro Stunde, also 100 kmh.

Wie wir wieder beim Randulin ankommen, sind wir alle drei geschafft. Das gibt eine Riesenportion Leckerli und für mich einen frischen Salat mit Ei. Ist vielleicht etwas gesucht, beruhigt aber und wirkt fast immer.

Morgen möchte ich mir Tintagel ansehen. Das liegt ganz in der Nähe. Und diesmal bereite ich mich darauf vor. Gemäss Internet müsste man Vorbuchen. Hunde dürfen diesmal rein, müssen an der Leine laufen. Vorbuchen funktioniert nicht. Die Internetseite von English Heritage ist etwas speziell. Dann fahre ich morgen einfach früh genug hin, schaue dass ich einen ordentlichen Parkplatz für den Randulin finde, bezahle für den ganzen Tag und der Rest wird sich dann ergeben.

Zum Glück gehen abenteuerliche Fahrtage zu Ende. Wie es aussieht, wird es Zeit, nach Hause zu fahren. Da der Wlan-Empfang hier so gut ist, nehme ich noch alle Buchungen für England bis und mit dem Shuttle für den 31. Mai vor. Dann liegt die restliche Zeit hier in England fest und ich habe wieder ein festes Ziel vor Augen.

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