Tintagel Castle
Eigentlich wollte ich heute ausschlafen. Leider ist hier die Fahrstrasse so nah, dass ich bereits morgens um halb sechs die ersten Autos vorbeirauschen höre. Die Lumpazzi sind noch müde. Also gehe ich erst mal duschen. Draussen steht die Sonne schon hoch am Himmel. Die Luft ist noch frisch bei knapp sieben Grad. Die Dusche habe ich zu dieser Zeit ganz für mich allein.
Der Morgenspaziergang fällt sehr kurz aus. Genau genommen nur so lange, bis beide Lumpazzi ihr Geschäft verrichtet haben. Dafür nutze ich ausnahmsweise einen grossen Parkplatz gleich neben dem Camp. Da kann ich auch gleich auskundschaften, wie ich den Grauwassertank entleeren kann. Das hatte mir der Campbetreiber gestern noch erklärt. Auf dem Laster-Parkplatz einfach über den Gully fahren und entleeren.
Danach wieder ausgiebiges Frühstück. Ist schliesslich Sonntag. Trotzdem, um neun Uhr dreissig ist alles bereit zum Abfahren. Danach rausgefahren und Grauwasser entleert und weiter geht’s in die gleiche Richtung. Nach Tintagel gelange ich diesmal, wie mir gestern erklärt wurde, auf der Hauptstrasse. Davon wird nach zwölf Kilometer die Nebenstrasse dann abzweigen. Von den engen, hohlen Gassen habe ich im Moment etwas genug.
Ich erreiche Tintagel in einer knappen Dreiviertelstunde. Der Ort weist viele Parkplätze auf. Und heute bin ich früh genug und kann auswählen. Hier dürfte der Randulin sogar über Nacht stehen bleiben. Der Platz ist gezielt für Wohnmobile eingerichtet. Der Parkautomat funktioniert auch und sogar mit Kreditkarte. Jetzt kann nichts mehr schiefgehen.
Gemäss Internet macht das Ticket-Office erst um zehn Uhr fünfundvierzig auf. Da sind wir wohl etwas zu früh. Es kann aber nicht schaden, das Gebäude zu suchen. Und wieder habe ich Glück. Das Ticket-Office hat bereits auf, mit meiner Mitgliedschaftskarte bekomme ich sofort einen Eintritt. Die Hunde dürfen offiziell mit rein und auch auf die Brücke. Das Wetter ist wieder sonnig und schön. Das kann nur ein guter Tag werden.

Die Ruinen sind nicht so eindrücklich wie erwartet. Der Vorbau ist gross. Die Brücke über die Schlucht eine spannende Ingenieurleistung. Wird momentan unterhalten. Es laufen jährlich so viele Besucher darüber, dass ständig etwas zu reparieren ist. Gleich dahinter die Überreste des mittelalterlichen Schlosses. Erbaut von Richard II, dem Bruder von Heinrich III um 1230 auf Basis der Legende von König Arthur. Der Bau des Schlosses muss schon damals eine riesige Herausforderung gewesen sein. Zu der Zeit existierte noch eine natürliche Landverbindung von der (heutigen) Insel zum Festland.
Archäologische Funde zeigen allerdings, dass die Insel hinter dem Schloss bereits viel früher bewohnt gewesen sein muss. Ein weiteres Indiz dafür, sind auch die vielen Steinkreise verteilt über ganz Cornwall. Tintagel dürfte schon immer aufgrund seiner strategischen Lage ein bevorzugter Lebensraum gewesen sein. Hoch über unzugänglichen Klippen, mit einer weiten Sicht über Land und Meer, ausserdem von drei Seiten von Meer umgeben, nur mit einer schmalen Landbrücke verbunden. Kurz, der perfekte Ort für eine Festung.
Heute lasse ich mir Zeit mit der Erkundung der Anlage. Danach steigen wir in Schlucht hinab und auf der anderen Seite wieder hoch in Richtung der Klippen. Wir geniessen heute einen langen Spaziergang. Das entschädigt für den Frust von gestern.
Nach drei Stunden ist genug gelaufen. Wir haben alle drei Hunger und Durst. In einem Café erhalte ich eine eisgekühlte Limonade und glutenfreie Scones mit clotted cream und Erdbeermarmelade (mmmh lecker). Für die Lumpazzi gibt es je zwei grosse Hundebiskuits und eine grosse Schale frisches Wasser. Die nehmen das Wort «undefreundlich» hier sehr ernst.
Nach einer halben Stunde Pause ist alles weggeputzt. Zeit zum Camping zurückzukehren. Nun stehen wir seit einigen Stunden wieder auf unserem Platz. Die Lumpazzi schlafen tief und fest. Jetzt noch die Fotos der letzten Tage verarbeiten. Dann noch die letzten Blogs aufschalten. Und endlich die Sonntagszeitung lesen.
Morgen gehen wir Steinkreise und eine zahlbare Dieseltankstelle suchen.
Aus dem Blog-Aufschalten wurde dann nichts, mir fielen einfach die Augen zu.
