Nach Scuol

Gestern auf dem Spaziergang über die Insel war es schwül, warm, aber trocken. In der Nacht ist dann ein richtiges Gewitter durchgebraust. Zum Glück steht der Randulin hier auf dem Parkplatz völlig frei und meterweit von allen Bäumen entfernt. Am Morgen liegen überall Äste und Blätter herum, obwohl der Schutzwald recht dicht und gesund ist. Aber lose Äste hat es immer. So kurz vor dem Ende der langen Reise versuche ich solche Kalamitäten zu vermeiden.

Der Spaziergang am Morgen über die Insel ist wie erwartet paradiesisch. Einige Gärtner sind bereits unterwegs. Sonst gehört uns der ganze Park. Und es hat aufgehört zu regnen. Die Luft ist angenehm kühl und frisch. Heute Morgen habe ich auch daran gedacht, einige Münzen einzustecken. Unterwegs im Park hat es grosse Kisten mit frischen Äpfeln, das kommt mir gerade gelegen.

Nach einer Stunde Morgenspaziergang ist genug, wir kehren zum Randulin zurück. Im Verlaufe des Jahres werde ich sicher noch ein, zwei Mal hierher zurückkommen. Einfach um die Ruhe und die Gärten zu geniessen.

Noch ein ausgedehntes Frühstück, dann die Parkgebühr erledigt und los geht die Fahrt Richtung Schweiz. Eigentlich bräuchte ich hier kein Navi mehr. Das programmiere ich gewohnheitshalber auf Zuhause. Es schlägt eine eigenartige Route vor, irgendwie über Landstrassen Richtung Konstanz und dann dem Bodensee entlang Richtung St. Margrethen. Die Landstrassen ignoriere ich mal. Nach einer halben Stunde bin ich durch Konstanz durch, über den Zoll und auf der Autobahn Richtung Frauenfeld. Danach kurz vor Winterthur auf die St. Galler Autobahn gewechselt und im Nu sind alle Staus und Baustellen (die hats auch in der Schweiz) umfahren.

In Schiers dann noch ein Pipi-Halt nach drei Stunden.  Bevor die Fahrt über den Berg ins Engadin geht. Der Verkehr ist bereits seit Konstanz recht dicht. Pfingsten steht vor der Tür. Offenbar fahren viele frühzeitig nach Süden. Was sich genau die deutschen Wohnmobilfahrer davon versprechen, über den Flüela-Pass zu fahren, kann ich nicht nachvollziehen. Seit St. Gallen regnet es Bindfäden, da dürfte es auf dem Pass schneien. Ich kürze die Fahrt etwas ab und fahre in Klosters auf den Autoverlad. Ein verschneiter Pass mit anderen Wohnmobilen (womöglich mit Sommerreifen!) am letzten Reisetag, das muss nicht sein.

Nachmittags um fünfzehn Uhr durchfahre ich die riesigen Baustellen vor Scuol. Das sieht einigermassen chaotisch aus. Darum fahre ich als erstes zum Campingplatz runter. Dort kann ich den Grauwassertank und die Chemie-Toilette gegen eine kleine Gebühr entleeren. Dann ist das bereits erledigt.

Danach erst mal ein paar Handwerker davon überzeugt, dass ich meinen Parkplatz vor meinem Haus bitte schön benötige. Den Randulin sonst auszupacken wäre ziemlich mühsam. Drei Stunden später ist auch das geschafft. Eigentlich wäre auch ich geschafft. Aber … die Lumpazi möchten jetzt dringend raus. Sie haben zwar Mitleid mit mir und versuchen mich ständig zu trösten. Aber die Pause muss jetzt warten. Die Lumpazi haben Priorität.

Das war jetzt der letzte Reiseblog. Wir sind alle drei gesund und munter nach zwölf Wochen Reisen wieder zu Hause. Keine einzige Panne unterwegs. Manchmal etwas enge, abenteuerliche Verhältnisse. Alles gemeistert, manchmal souverän, manchmal mit viel Herzklopfen. Ab jetzt darf die Weberei und die Handarbeiten wieder Vorfahrt haben.

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