Lochcarron Tartan Weberei

Es hat die ganze Nacht gestürmt und geregnet. Im Randulin drinnen ist es schön warm und gemütlich. Wäre das Klopfen vom Regen auf dem Auto nicht, könnte man gut schlafen. Am Morgen ist dann alles vorbei. Zuerst erwarte ich, dass bei dem vielen Nass auf der Wiese die Kaninchen im Bau bleiben. Dem ist leider nicht so. Um 7 Uhr ist die Ruhe vorbei und die Lumpazzi wieder im Jagd-Modus. Dann halt Katzenwäsche (ich habe gestern vergessen zu fragen, ob der Wasserboiler im Servicehaus wieder funktioniert, darum gibt’s’ keine Dusche), danach ein mittlerer Spaziergang, damit sich die Hunde wieder beruhigen.

Nach dem Frühstück und Aufräumen ist eigentlich noch viel zu früh, um nach Selkirk zu fahren. Ich fahre dann zuerst nach Abbotsford, das liegt auf dem Weg nach Selkirk. Dann müssen die Lumpazzi eine richtig lange Runde drehen, anschliessend sind sie hoffentlich richtig müde und verschlafen die Führung.

Mein Plan geht auf. Nach zwei Stunden spazieren, bleibt noch ein wenig Zeit für einen Kaffee und glutenfreie Scones, die Lumpazzi bekommen je eine Hand voll Leckerli. Danach fahre ich die restlichen 7 km nach Selkirk zur Weberei. Die Führung kann sofort beginnen, da ich ja allein bin.

In der Fabrik drin ist es sehr laut, es laufen Spulmaschinen, Zettelmaschinen und eine ganze Serie elektrischer Webstühle. Auf allen wird Tartan gewoben. Der Inhaber zeigt mir eine Wand mit 300 verschiedenen Tartanmustern. Diese werden aus nur 16 verschiedenen Farben zusammengesetzt. Die Variationen sind allerdings fast unendlich.

Das ist ein Muster, das auf privaten Wunsch kreiert wurde. Ein Foto nach Farben analysiert und daraus dann eine Kombination designt, die auch noch die natürliche Umgebung einbezieht. Also blau für das Meer und Weiss für Schnee und Eis. Die Streifenfolge harmonisch und in ansprechender Breite und Reihenfolge.

Nach einer Dreiviertelstunde stehen wir wieder im Laden. Von hier aus werden Tartan-Stoffe in alle Welt spediert. Und wenn man weiss wie, kann man sogar seine eigenen Kreationen designen und bestellen. Leider verkaufen sie keine Restkonen, lediglich Randabschnitte. Aus diesen könnte man dicke, warme Wollteppiche weben. Leider habe ich im Randulin nicht genügend Platz, als dass ich eine geeignete Menge der Riesenknäuel erstehen könnte. Darum kaufe ich mir «nur» den Wollpullover, den ich gestern gesehen habe.

Für meine Weiterreise wird der sehr gelegen kommen. Ich rechne damit, dass das schottische Wetter wechselhaft bleibt. Nach dem Sturm und Regen von gestern ist heute windig, sonnig und einigermassen warm. Aber das kann fast stündlich wechseln.

Gegen 15 Uhr sind wir wieder auf dem Campingplatz. Nun hat wieder der Randulin Priorität. Ich muss erst mal Frischwasser auffüllen, danach duschen, dann die Wäsche waschen und trocknen. Erst dann kann es ein kleines, stark verspätetes Mittagessen geben.

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