Loch Ness Foyers Shore

Obwohl ich erst spät in die Koje bin gestern Abend, ist um sechs Uhr tagwache. Der Tag verspricht schön, windstill und sehr warm zu werden. Sehr früh müssen wir auch nicht los, die Fahrt nach Loch Ness dauert gemäss Navi nur zweieinhalb Stunden. Da bleibt mir heute Morgen jede Menge Zeit, alles etwas gemütlich anzugehen.

Die Chemie-Toilette habe ich gestern Abend noch geleert und gereinigt. Dann muss ich heute nur noch Grauwasser ablassen, Abfall entsorgen und Innenreinigung machen. Das bedeutet auch, hier habe ich Zeit für eine ausgedehnte Dusche und einen extra langen Morgenspaziergang.

Danach langes Frühstück, mit frischem Frühstücksei von freilaufenden Hühnern (vielleicht deren Gegacker hinter dem Randulin, das mich geweckt hat?) und dann ganz gemütlich Richtung Portree losgefahren. Wenn ich Glück habe, komme ich unterwegs in einer der grösseren Gemeinden an einem Supermarkt vorbei und kann meine Vorräte wieder etwas auffüllen. Das Hunde-Hartfutter geht langsam zur Neige, das dürfte nur noch für zwei Wochen reichen, Frühstücksgemüse (Tomaten und Avocado) und Äpfel sind auch fast alle. Ausserdem wäre schön, wenn ich den Bestand an Sprudel-Mineralwasser auffüllen könnte (das stille ist einfach zu langweilig).

Leider taucht nichts auf der Strecke auf. Kurz hinter Kyle of Lachalsh, wir sind bereits auf dem schottischen Festland, stehen am Strassenrand zwei junge Männer. Einer davon trägt die Tracht deutscher Zimmergesellen. Das verspricht etwas Abwechslung und interessante Gespräche. Ich nehme die beiden mit. Jonas und Simon aus Hamburg. Jonas auf der Gesellenreise durch England und Irland, sein Bruder Simon zu Besuch für vierzehn Tage. Die beiden wollen nach Fort William und dann weiter an die Westküste. Dort schauen, ob sie eine Fahrt oder Fähre nach Irland bekommen.

Wir unterhalten uns prima bis Invergarry. Dort lasse ich die beiden wieder aussteigen. Sie kommen von da bequem weiter nach Fort William. Mein Weg führt weiter nach Fort Augustus und dann rechts dem Ufer des Loch Ness entlang zum Camping Platz.

Ab Fort Augustus wird die Strasse wieder eng, führt aber immer entlang des Ufers. Einmal geht es etwas in die Höhe und am Loch Tarff entlang. Ein wunderschöner kleiner See, fast wie der Cresta-See bei Flims. Einfach ohne die vielen Besucher.

Kurz hinter dem Abzweiger zu Whitebridge muss ich das Navi wieder mal überlisten. Es möchte unbedingt, dass ich links in ein Strässchen abzweige, dass klar markiert ist als «ungeeignet für Wohnmobile und Camper». Also fahre ich geradeaus weiter und vertrauen darauf, dass der Campingplatz eine zweite Zufahrt hat, die für Wohnmobile und Camper geeignet ist. Müsste eigentlich, schliesslich wird der Platz europaweit als einer der schönsten in Schottland gepriesen.

Dem ist dann auch so, 800 Meter weiter scharf nach links umgedreht und keine zehn Minuten später stehe ich am Eingang. Wieder mal viel zu früh. Die Reception ist erst ab vierzehn Uhr besetzt. Dann halt erst Mal mit den Lumpazzi ein kleiner Spaziergang gemacht.

Die Gegend ist schön, ruhig und einsam. Das Wetter bis hierher wurde von Kilometer zu Kilometer besser. Der Himmel ist fast wolkenlos. Über das Wasser säuselt ein leichter Wind. Und etwas später, wie wir wieder in den Randulin einsteigen, um einzuchecken, stelle ich fest, dass Nanno und Zorro auf dem Fell mehrere klitzekleine schwarze Zecken herumkrabbeln haben. Beide haben zum Glück ein sehr dichtes, weisses Fell. Dann sieht man die kleinen Plagegeister gut und kann sie entfernen, bevor sie zubeissen.

Eine halbe Stunde später stehen wir auf unserem Platz, Strom ist angeschlossen, die Lumpazzi bekommen ihre Leckerli und ich koche mir etwas Tomatenreis. Heute darf es wieder mal ein warmes Essen sein. Diese Vorräte müssen auch aufgebraucht werden.

Morgen übernachte ich nochmal hier. Für den Tag ist ein Ausflug nach Inverness und Urquhart Castle geplant. In Inverness muss ich nun definitiv einkaufen gehen, keine Äpfel mehr, Tomaten gehen zur Neige, Käse geht zur Neige und Hunde-Hartfutter ist der letzte Sack angerissen. Sprudelwasser ist auch die letzte angebrochen. So kann das nicht weitergehen. Frühstück ist meine Hauptmahlzeit, Sprudelwasser ist wichtig zum Autofahren und für die Hunde muss immer genug Futter da sein. Aber heute war einfach nirgends ein Supermarkt in Sicht. Also frage ich mal das Navi. Demnach hat es am Ortseingang von Inverness einen grossen TESCO. Dort sollte ich dann alles bekommen.

Ach ja, hier in Loch Ness Foyers gibt’s gar keinen Internetempfang. Ausser an der Reception. Also kann ich die Blog-Einträge immer noch nicht hochladen. Also eigentlich könnte ich schon, wenn ich das iPhone als hotspot benutze. Dann muss ich aber gewärtigen, dass die monatlichen vierzig Giga Volumen ruck-zuck aufgebraucht sind. Das will ich eher nicht riskieren, dann habe ich keinen Zugriff auf meine Mail mehr.

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