St. Augustin’s Abbey
Früh um halb sechs Uhr ist die Nacht vorbei. Dummerweise habe ich die beiden Rückfenster nicht verdunkelt. So können die Lumpazzi rausschauen, wenn sie ausgeschlafen sind. Ein kapitaler Fehler. Was ich gestern Abend nicht realisiert habe, hier hats Kaninchen und Eichhörnchen. Keine gute Kombination für eine gesegnete Nachtruhe.
Dann halt aufstehen und duschen. Danach alle Wäsche bereitmachen. So früh ist wahrscheinlich eine gute Zeit, um vor der Überfahrt auf den Kontinent noch schnell eine Maschine voll Wäsche zu waschen und zu trocknen. Während die Ladung Wäsche in der Maschine dreht, gehe ich mit den Lumpazzi auf den Morgenspaziergang. Danach bekommen sie ihr Frühstück und ich fange langsam an, meines zuzubereiten. Bevor ich mein Frühstücksei koche wechsle ich noch schnell die Wäsche aus der Waschmaschine in den Tumbler, dann kann die trocknen, während ich frühstücke.
Nach dem Frühstück dann noch gründliche Innenreinigung des Randulin. Hier bekomme ich endlich die Hundehaarknäuel in den Griff und aus dem Auto. Danach die Wäsche verräumt. Kurz nach zehn Uhr ist alles wieder tiptop sauber und in Ordnung. Nun kann der Ausflug nach Canterbury beginnen.
Hoffnungsvoll mache ich mich mit den Lumpazzi auf den Weg zum Bus Stopp. Nur scheint der Bus heute nicht nach Fahrplan zu fahren. Nach zwanzig Minuten geduldigem Warten laufen wir los Richtung Stadt. Wir kommen noch vor dem Bus beim Abbey St. Augustin an.
St. Augustin, ein französischer Mönch hat um das Jahr 597 AD den Auftrag erhalten, England zu christianisieren. Er hat hier das erste Kloster Englands gegründet und ein paar Jahre später dann auch den Grundstein der heutigen Kathedrale in Canterbury gelegt. Zunächst war die Kathedrale einfach eine Stadtkirche. Erst die Normannen haben an Stelle der Stadtkirche eine Kathedrale gebaut. Gleichzeitig haben sie allerdings auch die Klosterkirche abgerissen und eine schönere, grössere (und ihrer Ansicht nach würdigere) Kirche und Kloster für die Gebeine des heiligen Augustin gebaut.
Es ist spannend zu sehen, wie nachfolgende Generationen von Machthabern mit diesen Fundamenten der Christianisierung umgegangen sind. Vor den Normannen hatten bereits die Sachsenkönige die Idee, dass eine bescheidene Kirche nicht der richtige Ort für einen Heiligen ist und an Stelle dessen ursprünglicher Kirche eine grössere erbaut.

Rundherum wurde die Klosteranlage um-, aus- und weitergebaut. Bis dann 1538 Heinrich VIII mit seinem Machtwillen und sehr viel Selbstbewusstsein die Klöster aufhob. Die damals riesige und reiche Abtei wurde zerschlagen, die Gebäude zerstört und an deren Stelle ein königlicher Palast mit Garten erstellt.
Die Abtei war auch ein Wissenschaftszentrum mit einer grossen Bibliothek (nach damaligen Massstäben). Alles eingezogen und vernichtet. Auch in der Kathedrale von Canterbury wurde der Schrein von Thomas Becket vernichtet, die Bibliothek mehrheitlich ebenfalls. Aus heutiger Sicht ein unglaublicher Verlust. Und ein erfolgloses Verbrechen. Die Erinnerung an Thomas Becket bleibt bestehen, die Ruinen des Augustiner-Klosters werden mit Eifer erforscht. So konnten auch die Fundamente der ursprünglichen Kirche von 597 ausgegraben werden.
Danach steht nochmal ein Besuch in der Kathedrale an. Die Lumpazzi machen alles stoisch mit und laufen brav nebenher. Die Kathedrale kann man zwar von der Abtei aus sehen. Das Dahinlaufen gestaltet sich, wie gestern, etwas schwieriger.
Wir erwandern zuerst die Gartenanlagen rund um die Kathedrale und gehen erst gegen Schluss nochmal rein. Die Lichtführung dieser Bauten ist magisch. Ich könnte Stunden darin zubringen.

Die Lumpazzi leider nicht. Genug ist genug, sie müssen mal ordentlich markieren können. Das dürfen sie im Inneren nicht.
Also gehen wir endlich raus, auf die Suche nach einem Café und einer Schale Wasser für die Lumpazzi sowie einem Cappuccino für mich. Danach noch der Heimweg. Den Bus suche ich schon gar nicht mehr. Immer geradeaus geht viel schneller, als in den Gassen bis zum Busbahnhof herumirren.
Das war ein wunderbarer Abschluss meiner Reise in England. Nun sitze ich schon wieder ein paar Stunden hier, habe alle Fotos verarbeitet, das Reisetagebuch nachgeführt. Nun nur noch alle Blogs aufladen. Morgen geht es nach Folkestone und mit dem Shuttle wieder unter dem Channel durch nach Calais. Dann bleiben noch zwei letzte Ziele dieser Reise. Das erste wäre die Kathedrale von Reims. Das zweite und letzte ist dann ein Besuch auf der Insel Mainau.
