Delamere Forest
Delamere Forest liegt bereits wieder unterhalb Manchester und Liverpool, nahe der Grenze zu Wales. Eine völlig unbekannte Gegend. Ich bin gespannt.
Der Morgen beginnt heute mit Aufräumen. Erst mal Chemie-Toilette leeren, dann Randulin reinigen und Abfall zusammenpacken. Dann entsorgen auf dem Weg zum Morgenspaziergang. Dieser heute etwas länger. Keine Ahnung, ob ich unterwegs einmal Pause zum Laufen machen kann. Die vorgeschlagene Route scheint zur Hauptsache auf der M6 abzulaufen. Mit Autobahnraststätten habe ich bisher noch selten gute Erfahrungen gemacht. Während dem Spaziergang überlege ich die längste Zeit hin und her, wie ich die Frontscheibe reinigen könnte.
Die ist sehr hoch oben. Ich habe zwar einen Fenstermopp eingepackt, der ist aber zuunterst in der Haushaltkiste. Ziemlich aufwändig, den hervorzukramen, zu montieren. Und dann muss die Scheibe irgendwie nass gemacht werden, damit das überhaupt funktioniert. Wie meist in solchen Fällen, erst einmal in Ruhe frühstücken, dann alles aufräumen und fertig machen zur Abfahrt.
Da packt mich plötzlich die Arbeitswut. Und nachdem nun schon alles erledigt ist, kann ich den Anfall nicht einfach aussitzen. Also dann, die Haushaltkiste ausgraben, darin den Wischmopp behändigen. Der Stiel dazu liegt ohnehin obenauf neben den Fotostativen. Dann alles zusammenmontiert. Aus der Garage die Wasserkiste entnommen und hinter dem Randulin parkiert. Und anschliessend den Randulin umgedreht, so dass er nun mit der Schnautze nahe bei der Wassersäule steht.
Dann den Wasserschlauch angeschlossen und die Frontscheibe abgespritzt. Hoffentlich schaut niemand zu. Sieht wahrscheinlich schräg aus. Ich bin nicht gerade gross, meine Schulterhöhe reicht gerade bis zur Motorhaube. Dann noch den Wischmopp nass gemacht und mit dem langen Stiel die Frontscheibe abgeschrubbt, so gut es geht. Danach noch zwei Mal alles nass gespritzt und wieder geschrubbt.
Et voilà, die Scheibe ist tatsächlich sauber, fast. Zumindest sieht man wieder raus. Also alles wieder weggepackt. Den Mopp-Kopf diesmal gleich in die Wasserkiste mit rein. Und dann nach vorne gefahren, um das Grauwasser zu entleeren. Dann noch das Navi auf Delamere Forest Camping programmiert und eine Ehrenrunde auf dem Campingplatz eingelegt. In England läuft auf den Campings alles im Einbahnverkehr.
Gestern beim Spaziergang mit den Lumpazzi habe ich ausgangs Windermere eine grosse Tankstelle mit AddBlue-Tanksäule und einem grossen Spar entdeckt. Da will ich als allererstes hin. AddBlue ist zwar schon noch genug drin, aber hier weiss man nie, wann man wieder auf eine so gute und einfache Gelegenheit trifft, um nachzufüllen. Diesel müsste auch noch aufgefüllt werden. Und im Spar bekomme ich meine hochfavorisierten San Pelegrino Mineralwasser. Also schalte ich den Ton am Navi ab und fahre genau in die andere Richtung als geplant.
Das Tanken und Einkaufen dauern eine halbe Stunde. Es handelt sich offenbar um eine sehr beliebte Tanke. Ist auch verständlich, übersichtlich und einfach. Danach geht die Fahrt planmässig vonstatten.
Das heisst, erst mal aus Windermere und dem Lake District raus. Über Land, mit schmalen Strassen und Baustellen. Nach einer Weile, bei Kendal dann auf die M6 nach Süden. Das ist nicht weiter spektakulär. Aufgrund des Verkehrsaufkommens kann man identifizieren, ob in der Nähe eine grössere Stadt ist wie beispielsweise Blackpool, Liverpool oder Manchester. Das erfordert einiges an Konzentration. Vierspurige Kreisel mit und ohne Ampeln mit riesigen Lastwagen links und rechts sind gewöhnungsbedürftig.
Es geht alles gut. Noch vor Manchester dann runter von der M6 und auf Autostrassen noch etwas weiter nach Westen, nahe zur Grenze nach Nord-Wales. Um dreizehn Uhr dreissig stehe ich bereits am Eingang des Camping. Das ist mordsfrüh. Ich habe keine grosse Hoffnung, dass ich schon einparken kann. Da steht auf einem Schild, dass die Reception erst um sechzehn Uhr aufmacht.
Ich habe wieder mal Glück. Der Clubverwalter begrüsst mich freundlich, holt die Unterlagen und geleitet mich erst mal zur Frischwasseraufnahme. Das hatte ich heute Morgen bewusst ausgelassen. Mit nur 25% Frischwasser fährt es sich entschieden besser. Ich fülle wieder auf 75% auf und der Verwalter hat etwas abseits schon darauf gewartet, mich einweisen zu können. Um vierzehn Uhr ist alles eingerichtet und wir können bereits wieder auf den Hundespaziergang.
Das Camping liegt buchstäblich am Eingang des Delamere Forest. Man kann nur zum Gatter raus und steht bereits auf den Spazierwegen. Ein gewaltiger Kontrast zum Touristengewusel der letzten Tage in Windermere. Nur Bäume, Tümpel, Vögel und herrliche Ruhe. Und ganz viel Schatten hier im Wald. Immer wenn wir wieder etwas ins Freie kommen, fällt uns die Hitze des Tages an wie ein Tier. Gemäss meiner Uhr ist es vierundzwanzig Grad warm. Eigentlich viel zu heiss für die Lumpazzi. Im Wald geht’s gerade noch so.
Nach einer guten Stunde sind wir wieder zurück beim Randulin. Ich reisse alle Lucken auf. Es nützt so ziemlich gar nichts. Ein leiser Windhauch regt sich zwar ab und zu. Für die Hunde ist es draussen viel zu heiss, drinnen auch. Gegen sechzehn Uhr dann endlich ein kleiner Regenguss, es kühlt etwas ab. Nach einer Viertelstunde ist bereits wieder alles trocken.
Dann halt mal ein Versuch mit der Marquise. Wenn es windstill bleibt, sollte es keine Probleme geben. Für mich ist das aufwändig, darum rolle ich das Teil nur selten aus. Erst einmal muss ich die Kurbel behändigen. Die ist zuoberst im Randulin aufgehängt (sie hätte auch nirgendwo sonst Platz). Dann das Teil ausgefahren.
Die Marquise ist auf 2,85 Meter Höhe angebracht und die Kurbel muss in ein kleines Loch eingeklinkt werden. Danach darf ich über Kopf das Riesenteil ausrollen, die Streben ausklappen (immer anspruchsvoll, braucht ziemlich Kraft in den Daumen) und alles gerade hinstellen. Peter hätte jetzt sicher die Wasserwaage genommen. Das mache ich jetzt nicht auch noch. Hauptsache das Teil hält und schattiert wenigstens die Sonnenseite des Randulin.
Der Schatten auf dem dunklen Blech wirkt tatsächlich. Es wird kühler im Inneren. Das Vergnügen hält nicht allzu lange an. Schon bald zieht die nächste schwarze Wolkenwand auf. Ich traue der Geschichte nicht so recht und rolle die Marquise wieder ein. Grad eine gute Gelegenheit, das sorgfältig und richtig dicht zu machen. Dann sollte die Knarzerei während der Fahrt etwas weniger werden.
Die Wolkenbank zieht vorbei, ohne dass es regnet. Schade, eine weitere Abkühlung wäre hochwillkommen gewesen. Zum Glück geht es langsam auf den Abend zu. Wenn die Sonne weg ist, wird es sicher kühler werden.
Morgen bleibe ich hier. Die Waldspaziergänge kann ich direkt aus dem Camping machen. Noch ein wenig fotografieren. Am Nachmittag habe ich gesehen, es hat nicht nur Tümpel, sondern auch einen grösseren Moorsee und dort viele Vögel. Nochmal ein Genusstag, bevor es dann weiter nach Süden geht.
