Urquhart Castle

Jetzt wird’s dann fast schon wieder langweilig mit dem guten Wetter. Um sieben Uhr ist der Himmel stahlblau, wolkenlos. Und draussen bereits vierzehn Grad warm. Das dürfte auch heute wieder ein schöner und vor allem sehr warmer Tag werden. Der morgendliche Spaziergang führt uns am Ufer des Loch Ness entlang. Da liegen dann leider auch Schafkadaver herum. Die Lumpazzi interessieren sich nicht gross dafür. Andere Hunde dafür umso mehr. Auch hier hat es wieder Zecken, obwohl kaum Unterholz vorhanden ist. Da bleibt dann nichts anderes übrig, also vor dem Einsteigen in den Randulin jedes Mal Zeckenkontrolle. Die Viecher mag ich nicht.

Dann noch langes Frühstück, die Campingstühle am Platz deponiert (als Zeichen, dass ich am Abend zurückkomme), den Strom abgehängt und es kann losgehen. Für Inverness müssen wir dem Ufer entlang nach Norden fahren, ans Ende vom Loch Ness. Für Urquhart Castle dann auf der anderen Seite des Loch Ness wieder nach Süden, wenige Kilometer hinter Inverness. Macht dann insgesamt 53 Kilometer und fast eine Stunde Fahrt nur bis Inverness. Es handelt sich wieder um eine einspurige Strasse, also kann nicht sehr schnell gefahren werden. Für das Passieren des Gegenverkehrs hat es immer wieder Ausweichstellen.

In Inverness, am Ortseingang ist der Tesco-Supermarkt nicht zu übersehen. Als Erstes fahre ich auf den grossen Parkplatz und erledige alle Einkäufe. Hier bekomme ich alles, was ich mir so notiert habe. Nachdem wieder alles verstaut ist, geht die Fahrt weiter zum Urquhart Castle.

Dort angekommen, erlebe ich die erste grosse Enttäuschung der ganzen Reise. Ich hätte in Dorf unterhalb des Schlosses ein zeitlich limitiertes Parkticket lösen sollen. Sie können Parkplätze nur mit Parktickets zuweisen, sie seien dermassen überlastet mit Besuchern. Dann halt alles wieder zurück. Auf dem Weg sehe ich linker Hand einen grossen Campingplatz und fahre auf gut Glück einfach mal rein. Die Reception ist nicht besetzt, die Einfahrt barrierefrei. Man solle einfach irgendwo parkieren, wo frei sein und später an der Reception die Buchung vornehmen. Also dann, ich parkiere auf dem Besucherparkplatz und laufe mit den Hunden zurück zum Castle.

Das ist nämlich nur knapp zwei Kilometer weit den Hügel hoch. Genau richtig für einen Hundespaziergang. Bei dem schönen Wetter und in dieser schönen Gegend eine prima Gelegenheit die Pfoten zu strecken.

Beim Eingang angekommen folgt die nächste Enttäuschung. Nur Besucher mit Assistenzhunden sind zugelassen. Normale Hunde dürfen nicht rein, denn der Besuchereingang verläuft durch das Museum und da dürfen Hunde nicht rein.

Die Argumentation erscheint mir wenig plausibel. Assistenzhunde sind schliesslich auch Hunde. Und ich sehe nicht recht ein, warum jemand, der auf die Hilfe eines Hundes angewiesen ist, vor jemand «Normalem» bevorzugt wird. Das ist doch wohl auch diskriminierend, oder etwa nicht? Heute habe ich keine Lust zu streiten. Wir kehren zum Randlulin zurück.

Am Camping angekommen, ist die Reception jetzt besetzt. Ich binde die Lumpazzi draussen an und gehe rein. Die Frau im Büro versteht mein Anliegen zuerst nicht. Offenbar ist es das erste Mal, dass jemand eine Parkgebühr bezahlen möchte. Sie meint nur, ich hätte eigentlich einfach rausfahren können, sie hätte von Nichts gewusst. Schlussendlich nimmt sie dann doch fünf £ entgegen und bedankt sich für meine Ehrlichkeit. Aber echt jetzt, was ist denn das für ein Gegensatz. Bei der historischen Sehenswürdigkeit wissen sie nicht wieviel verlangen und wie kompliziert den Eintritt gestalten und zwei Kilometer weiter kann man sie mit Ehrlichkeit verblüffen.

Ich fahre anschliessend gemäss Navi auf der Panoramaroute zurück nach Fort Augustus und dann auf der gegenüberliegenden Uferseite zurück zum Camping. Hier kommen wir um sechzehn Uhr wieder an. Nachdem die Lumpazzi ihre Leckerli verdrückt haben, bekomme ich mein Mittag-Nachtessen. Die Hälfte vom Tomatenrisotto von gestern, diesmal gestreckt mit frischem Spargel und etwas Cheddar-Käse. Zum Dessert dann noch ein griechisches Joghurt mit Aprikosenkonfitüre und einen frisch gemahlenen Mokka.

Trotz der Enttäuschung am Urquhart Castle ein schöner Tag. Allerdings auch ein guter Indikator, künftig wieder solche Touristen-Hotspots zu meiden. Eigentlich eine Lehre, die Peter und ich vor Jahren bereits in Deutschland in Würzburg einmal gezogen hatten. Auch dort das gleiche Drama, der Eintritt in die Residenz nur unter striktesten, kontrollierten Bedingungen zeitlich beschränkt möglich. Völlig absurd, eine Sehenswürdigkeit so geniessen zu können.

Jetzt wieder auf dem Camping am Loch Ness Ufer geniessen wir die Ruhe, die Sonne und den Feierabend. Enttäuschungen haben auch ihr Gutes. Sie heben das Schöne nur umso mehr hervor. Und heute Abend nun endgültig alle Blog-Einträge nachgetragen, halt mit dem iPhone als Hot-spot. Sind alle Tage seit der Ankunft auf der Isle of Skye, und heute ist bereits der 7. Mai, also höchste Zeit.

Morgen geht die Fahrt weiter nach Süden. Der nächste Stopp ist in Scone, nahe Perth, wieder an der Ostküste von Schottland. Noch nördlich von Edinburgh gelegen, wird dies mein letzter Stopp in Schottland. Danach geht es pronto presto nach Südenwesten in den Lake-District.

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