Im Forest of Dean
Montag, 24. März – zum Forest of Dean
Also ganz so faul war der Nachmittag dann doch nicht, immerhin das Reisetagebuch für die letzten Tage seit Stonehenge nachgeschrieben, die Fotos heruntergeladen und verarbeitet und nochmal ordentlich mit den Hunden raus. Danach früh ins Bett, was sich unweigerlich rächt, dann wachen wir alle drei am Montagmorgen umso früher auf.
Kurz vor 9 Uhr dann noch den Grauwassertank geleert, einfach weil es hier in Bath so einfach geht. Und dann los in Richtung Forest of Dean. Bei der Buchung der «Forest and Valley Campsite, St Briavels» am Vorabend war ich wohl sehr pessimistisch und habe als Ankunftszeit 16 Uhr angegeben.
Bereits um 10.30 Uhr sind wir am Tidenhams Chase Car Park. Genau richtig für einen längeren Spaziergang. Den Car Park hatte ich zwar nicht auf dem Radar. Aber das Tintern Abbey, das von hier aus zu Fuss erreichbar ist, wollte ich auf jeden Fall sehen. Da wir aber heute mal richtig viel Zeit zum Spazieren haben, nehme ich nicht den kürzesten Weg zum Abbey sondern marschiere erst einmal Richtung Offa’s Dyke und the devils’ pulpit.
Dabei lerne ich eine englische Wander-Spezialität kennen. Der Fussweg führt schon nach kurzer Zeit nicht mehr nur durch sehr spezielle Gattertüren, sondern einfach quer über die Felder, immer geradeaus. Dieses «geradeaus» kann manchmal auch etwas schräg sein, jedenfalls suche ich zwei Mal die weiterführenden Gatter. Von der Schweiz bin ich mir gewohnt, dass Wanderzeiger gelb, gross, hoch angebracht und unübersehbar sind. Hier sind es recht diskret angebrachte runde Plaketten, die in alle Richtungen zeigen können. Das iPhone hilft mal wieder aus der Patsche.
Nach einer Stunde querfeldein erreichen wir the devils pulpit. Einfach ein grosser Felsbrocken mitten im Wald. Allerdings, von da hat man eine geniale Sicht auf das Abbey und das Tal mit dem Wye-Fluss. Eindrücklich. Der Fussweg dahin ist dann allerdings etwas steinig, steil und schlammig. Und dauert nochmal eine gute Stunde.

Das dürfte lustig werden mit zurücklaufen. Hoffentlich gibt’s eine Abkürzung, sonst wird das dann ordentlich knapp mit der Zeit. Das Abbey entpuppt sich als sehr gut erhaltene Ruine, die Erklärungen sind aufschlussreich. Bei Lösen des Eintritts erfahre ich dann, dass mindestens die 10-Pfund-Noten, die ich mitgenommen habe (sind noch aus einem alten Fundus) nicht mehr gültig sind. Toll, das Geld lag wohl schon eine Weile zu Hause rum. Sollte ich gelegentlich an einer Bank vorbeikommen, und die hat sogar offen, kann ich versuchen, die umzutauschen. Zum Glück kann ich hier überall mit Karte bezahlen.
Nach dem Besuch des Abbey, es ist inzwischen 12.30, noch kurz im Caffè reingeschaut. Man könnte auch essen, die Portionen sind aber so riesig, da mag ich nachher nicht mehr laufen. Ich nehme ein Wasser für mich und weil es so heiss ist heute, bekommen die Lumpazzi je ein Hundeeis.
Danach dann wieder den ganzen Weg zurück. Es gibt keine Abkürzung. Das wird ordentlich anstrengend. Nach 1,5 Stunden ist auch das geschafft. Zurück beim Randulin bleiben mir noch 20 Minuten bis zum Camping.
Um 15.50 stehe ich in der Einfahrt. An der Reception hängt ein Schild, dass diese Montag immer geschlossen sei. Das verwirrt mich im ersten Augenblick. Ich habe ja gebucht und auch eine Bestätigung erhalten, also müsste ich eigentlich rein können. Zum Glück kommt ein anderer Camper von innen vorbei und lässt mich mal rein. Drinnen stelle ich den Randulin einfach provisorisch auf einen Platz. Dann versuche ich zu telefonieren. Niemand geht ran. Dann der Geistesblitz, nochmal die Mails durchsehen, vielleicht habe ich den Code auf der Bestätigung übersehen.
Da entdecke ich eine zweite Mail mit allen Angaben, die muss erst heute Mittag eingegangen sein. Ich rangiere auf dem richtigen Platz, schliesse an und richte mich ein. Danach noch etwas Kleines gegessen, ich bin nicht wirklich hungrig, nur hundemüde. Buchstäblich so müde, wie meine beiden Lumpazzi. Um 20.30 liegen wir alle drei flach. Morgen schauen wir dann weiter.
Dienstag, 25. März – Puzzlewood und Clearwell Caves
Habe ich schon erwähnt, dass es sich nicht auszahlt, früh ins Bett zu gehen? Wir wachen dafür nur umso früher auf. Nach einer kurzen Dusche dann erst mal ohne Frühstück auf unseren kleinen Morgenspaziergang. St Briavels, das Dorf in der Nähe sollte eigentlich innert nützlicher Frist erreichbar sein und dann wieder zurück.
Wieder mal unterschätze ich die englische Passion für Querfeldeinwanderungen. Die Distanz zum Dorf mit dem Auto beträgt nur 5 Minuten. Wenn man das zu Fuss versucht, geht es in einem grossen Bogen erst einmal rundherum. Dabei über mehrere Schafzäune und Hecken. Diese sind hier nicht mehr mit den bequemen Rundgatter-Türen versehen, sondern mit Schemeln. Auf diese muss man rauf und dann über den Zaun klettern. Natürlich nichts für meine Lumpazzi. Die muss ich jedes Mal hinüberheben. Also mühsam. Den Weg vom Dorf zurück zum Camp nehme ich dann die Strasse.
Diese weist zum Glück einen breiten Grasstreifen auf (statt einem Trottoir) und wir sind eine halbe Stunde später dann wieder beim Randulin. Alles in allem 2 Stunden Morgenspaziergang, und das ohne Frühstück!!
Gegen Mittag fahre ich dann doch wieder los in Richtung Puzzlewood. Wie ich dort ankomme, ist wegen zu alles geschlossen. Etwas enttäuschend. Kurz zuvor hatte ich ein Schild gesehen zu den Clearwell Caves. Ich mache mir keine grossen Hoffnungen, ende März hat hier wahrscheinlich noch nicht allzu viel offen.
Wenigstens finden wir einen guten, grossen Parkplatz. Die Minen haben wie erwartet, geschlossen. Der Wanderweg führt noch etwas weiter Richtung Dorf. Dort treffe ich auf ein einheimisches, älteres Paar. Diese erklären mir, dass alle Touristenattraktionen erst im April aufmachen. Der Puzzlewood sei ausserdem ein privater Wald. Ich könnte die gleichen Attraktionen selber erkunden, indem ich einfach mal immer linksherum durch den Wald und über die Felder um Clearwell herumspaziere.
Der Tipp erweist sich als goldrichtig. Nur wieder mal die Distanz unterschätzt. Nach zwei Stunden kommen wir am anderen Ende des Dorfes wieder an und müssen nur noch zurück zum Randulin. Für heute wieder genug gelaufen. Schon wieder völlig platt. Nur noch etwas Käse und Joghurt, nachdem wir eingerichtet sind, noch etwas Zeitung gelesen und dann fallen mir auch schon wieder die Augen zu.
Für morgen nehme ich mir fest vor, etwas weniger lang zu laufen. Marion hat mir noch einen speziellen Tipp gesandt, nach Pembroke-Bosherston zu den Lilly Ponds.
