Fountains Abbey
Die Morgenroutine heute etwas anders gestaltet. Also schon zuerst mit den Hunden raus, diesmal nur kurz. Danach mit der grossen Linse allein nochmal raus. Diese verflixte Singdrossel, die mich schon seit Tagen weckt, endlich aufs Bild bannen. Und sie sitzt wie immer mitten im Geäst und schreit in den Tag hinein.

Danach Frühstück für uns alle drei und dann kanns losgehen Richtung Ripon und Fountains Abbey und Studley Royal. Unterwegs Diesel tanken und einmal nachfragen, wo ich allenfalls AddBlue tanken könnte. Also ab Zapfhahn und nicht mit Kanister. Dann müsste ich meinen Reservekanister nicht aufbrauchen. Normale Tankstellen haben hier nur Kanister im Verkauf, allenfalls kann ich AddBlue an einer Lastwagentankstelle nachfüllen, also ein Truck-Stopp. Diese sind hier an der Autobahn und nicht wie auf dem Kontinent in den Autobahnraststätten integriert. Da muss ich dann morgen aufpassen, dass ich die Ausfahrt hinter Darlington nicht verpasse, dann kann ich das noch erledigen, bevor ich nach Schottland aufbreche.
Vorläufig geniesse ich die schnelle Fahrt auf der M1 Richtung Süden. Die Zufahrt zum Visitors Center des Fountains Abbey ist etwas versteckt. Zuerst habe ich noch Bedenken, dass ich mit dem Randulin über eine Brücke müsste, die nur für 3 Tonnen zugelassen ist. Zum Glück zweigt die Zufahrt kurz zuvor nach links ab. Ich finde ein Parkfeld auf dem normalen Parkplatz, schön im Schatten. Nun steht einem schönen, langen Spaziergang bei buchstäblich Kaiserwetter nichts mehr im Weg.
Wir verbringen zuerst fast eine halbe Stunde in einem Vogelbeobachtungs-Versteck. Bis ich endlich merke, dass man die Glasscheibe fürs Fotografieren raufklappen kann. Danach werden die Bilder sogar scharf.

Wir wandern dann weiter durch den Park, in Richtung der Wassergärten. Überall laufen hier Fasane frei herum, kreuz und quer durch die vielen Besucher. Sie lassen sich beim Fressen durch die vielen Kinder kaum stören. Und die Lumpazzi scheinen die Fasane erst einmal gar nicht wahrzunehmen. Es dauert fast eine Stunde, bis Zorro endlich merkt, dass das, was ich da fotografiere, jagdbar wäre. Dann allerdings ist erst einmal der Teufel los. Wieder einmal Krafttraining, um die beiden zurückzuhalten. Zum Glück stossen sie nicht auch noch Jagdschreie aus, dies zusammen mit dem Kindergeschrei kann kakophonische Ausmasse annehmen.

Danach laufen beide brav neben mir her, immer an der kurzen Leine. Die Parkanlage ist fantastisch. Und die Ruine des Fountains Abbey ist genial in den Park integriert. Von den ursprünglichen Besitzern wurde diese erst im 19ten Jahrhundert zum Studley Estate hinzugekauft und dann in den Wassergarten im Aufbau integriert. Das Abbey selbst wurde im 12ten Jahrhundert erbaut, war dann 400 Jahre eine Benediktinerabtei und wurde von Henri VIII anlässlich der Kirchenreform in England aufgehoben.
Wir laufen fast zwei Stunden bis zum Osteingang des Parks. Dort gibt’s für die Hunde ein paar Leckerli und Wasser, für mich wieder ein glutenfreies Sandwich und einen grossen Kaffee. Das Brot ist zwar fürchterlich, die Füllung dafür sehr gut, Käse und Pickles.
Danach laufen wir auf dem Rundweg noch ein paar Umwege über einen Aussichtshügel und zurück zum Visitors Center. Wie man sich vorstellen kann, noch einmal zwei Stunden und vielen weiteren Fasanen, die ganz in der Nähe herumstolzieren. Die Hunde sind zum ersten Mal seit Monaten nach einem Spaziergang so richtig platt. Nicht einmal Zorro mag mehr an der Leine ziehen. Im Randulin schlafen sie auf ihren Plätzen fast sofort ein, die Rückfahrt zum Campingplatz bekommen sie gar nicht mehr mit. Das war ein superschöner Tag, mit Sonne satt und einer Wahnsinns-Anlage. Und einigen guten Fotos von Vögeln, Ruinen und Wassergarten. So dürfte es die nächsten 9 Wochen bleiben. Wird es nicht, aber träumen darf man ja.
