Duyburgh Abbey

Zum ersten Mal seit Wochen lang ausgeschlafen und erst um halb neun aufgewacht. Und die Lumpazzi haben mich einfach schlafen lassen, trotz der Kaninchen, die draussen vor dem Auto herumhoppeln. Vielleicht waren es auch nicht so viele, wie gestern. Das Wetter hat wieder zugemacht, es tröpfelt und ist nebelverhangen.

Danach erst mal gemütlich die Morgenroutine durchgezogen. Und dann um 11 Uhr losgetuckert. Dryburgh Abbey ist nur gut 34 km entfernt und das erst noch auf mehrheitlich guter, breiter Strasse.

Die letzten Kilometer dann allerdings nicht mehr so breit. Stellenweise passt der Randulin grad genau durch. Ungefähr 3 km vor dem Ziel tut sich die Sicht rechts auf. Man sieht über das ganze Tweed Tal. Verständlich, warum sich Sir Walter Scott hier oben so wohl gefühlt haben muss. Der Punkt heisst Scotts’ View. Ich halte an und mache ein Foto, das kann ich mir nicht entgehen lassen.

Einen Kilometer weiter ein weiteres, sehr kleines Schild nach rechts auf einen kleinen Parkplatz zu Wallace Statue. Das hatte ich gestern noch auf der Karte gesehen und gedacht, da müsste ich dann wohl extra hinfahren. Und heute, welch ein günstiger Zufall, gleich am Wegesrand. Ich halte an und parkiere diesmal auf einem Behindertenparkplatz. Anders geht nicht, alle anderen Felder sind zu klein für den Randulin.

Wir laufen zur Statue, sind nur ca. 500 m durch den Wald (offenbar sehr alt, von der Dicke der Bäume aus geschätzt). Die Statue ist über 20 m hoch, in rotem Sandstein, ganz schön eindrücklich. Von hier hat man wieder den Blick über das ganze Tal. Einfach grandios, diese Weite und Ruhe. Lauter Landschaft und tief unten im Tal glitzert der Tweed.

Gemäss der Hinweistafel am Wegesrand kann man einfach den Pfad runterlaufen und gelangt so zum Tempel der Musen zu Ehren von James Thomson, einem Romantiker und Poeten zu Zeiten Königin Victorias’. Die Gedichte bei der Statue und entlang des Weges sind Lobgesänge an die Natur. Heute zu Zeiten der Klima-Aktivisten könnte er ein Idol sein. Insgesamt scheinen hier alle sehr naturverbunden zu sein. Bei der schönen Landschaft verständlich.

Wir laufen den Pfad runter bis zum Tempel der Musen. Der steht in einem kleinen Wäldchen mit uralten Bäumen. Von hier aus sieht man sowohl auf den Tweed wie auch zurück auf die Statue.

Auweia, das hatte ich in meiner Begeisterung für den schönen Pfad und den entspannten Spaziergang gar nicht bedacht. Wir müssen den ganzen Weg wieder zurück. Der Randulin steht noch oben. Von unserem Endziel Duyburgh Abbey sind wir hier unten eigentlich nur noch 500 m entfernt. Alles Bedauern hilft nichts, wir müssen wieder rauf.

Danach sind es mit dem Randulin noch knapp 1,5 km bis zum Abbey. Wieder ein altes Prämonstratenser-Kloster, dass in den Reformwirren unter Henry VIII aufgelassen und dann während dem Cromwell-Aufstand niedergebrannt wurde. Die Ruinen sind recht gut erhalten.

Dies dürfte darauf zurückzuführen sein, dass Sir Walter Scott und eben James Thomson einen engen Bezug und eine tiefe Liebe zur Gegend im Tweed-Tal empfunden haben und sich im 19ten Jahrhundert daran machten, die Ruinen zu restaurieren. Sir Walter Scott wählte dieses Abbey auch als seine letzte Ruhestätte und wurde hier beigesetzt.

Zu den Ruinen gehört ein Park mit uralten Bäumen. Riesige kalifornische Zedern wachsen hier und werden liebevoll gepflegt. Gleich hinter dem Kloster steht eine riesige Eibe, die offenbar noch von den Mönchen im Jahr 1136 gepflanzt wurde. Eine wunderbar friedvolle Atmosphäre, als ob die Aura von 1000 Jahren sich erhalten hätte. Man könnte stundenlang herumspazieren. Wenn es nur nicht so saukalt wäre. Immer wieder tröpfelt es und es weht ein unangenehm kalter Wind.

Nach einer Stunde sind wir alle drei so durchgefroren, dass wir zum Randulin zurückkehren. Ich fahre die paar Meter um den Block herum zum Abbey Hotel, versorge die Hunde mit einer Handvoll Leckerli und Wasser. Dann laufe ich zum Hotel. Dort frage ich erst mal, ob ich etwas zu essen bekommen könne. Es ist bereits 15 Uhr und die Küche dürfte geschlossen sein.

Aber ich habe Glück. Ich bekomme eine heisse Suppe, ein Sandwich mit Rindfleisch und eine Kanne The. Nach einer Stunde in der Wärme, etwas Heisses gegessen und getrunken, bin ich fit für die Rückfahrt.

Wie ich zurück komme zum Randulin, stelle ich fest, dass sich Zorro die restlichen Leckerli im Plastiksack stibizt hat. Der Sack liegt in Fetzen am Boden. Von den Leckerli keine Spur mehr. Nanno und Zorro schauen mich völlig unschuldig an. Das lag einfach im Handschuhfach und hat förmlich danach geschrien, vernascht zu werden. Kann ich nichts machen, weg ist weg. Das nächste Mal besser so versorgen, dass die Lumpazzi nicht drankommen.

Ich fahre auf dem fast gleichen Weg zurück nach Lauder. Programmiere aber zusätzlich einen Abstecher nach Oxton zum Community Shop. Der wurde mir ganz zu Beginn hier in Lauder von den Camp Managern empfohlen, dort könne ich Frischwaren erhalten.

In der Tat, ich erhalte frische Marmelade, Avocado!! und Vollmilch. Es hätte auch frisches Gemüse wie Brokkoli, Blumenkohl und Karotten, nur keine Tomaten. Aber das reicht vorläufig. Die Leute sind offenbar super happy, dass sich die Eröffnung dieses kleinen Dorfladens so schnell herumspricht. Sie konnten den erst diese Woche eröffnen.

Danach noch eine kurze Strecke bis zum Campingplatz und ganz schnell alles wieder eingerichtet. Das heisst Elektrizität angeschlossen, bevor es ernsthaft zu regnen beginnt.

Jetzt sitze ich seit einer Stunde hier im warmen Randulin. Die Hunde schlafen und draussen regnets Bindfäden. Das Wetter dürfte die nächsten 4 Wochen wechselhaft bleiben. Mit etwas Glück können wir tagsüber immer trocken unsere Ausflüge unternehmen. Und gegen späten Nachmittag wieder zum Camping zurückkehren. Die Plätze für die nächsten zwei Wochen sind gebucht. Hier in Lauder bleibe ich noch bis nach Ostern am 23.4. Mittlerweile konnte ich eine App herunterladen «Historic Scottland». Sehr hilfreich, diese App enthält eine Karte mit allen Sehenswürdigkeiten Schottlands. So kann ich jeden Tag Ausflüge in die nähere Umgebung planen, ohne grosse Recherchen zu treiben.

Morgen beispielsweise fahre ich nochmal zum Abbotsford. Gehe diesmal mit den Hunden am Tweed-Ufer lange spazieren und schaue mir anschliessend das Haus von Sir Walter Scott an. Am Tag darauf dann zum Tantallon-Castle an der Nordost-Küste. Am Montag dann eventuell Thirlestane Castle. Für Dienstag eventuell nochmal an die Nordost-Küste ein Vogelschutzgebiet, St. Abb’s Head National Nature Reserve. Kommt etwas aufs Wetter an, je nachdem muss ich die Reihenfolge umdrehen. Für eine Fahrt an die Küste wäre trockenes Wetter besser.

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