Skye Weavers

Es muss in der Nacht noch ziemlich gewindet und geregnet haben. Jedenfalls am Morgen ist alles nass. Dafür hat es nur noch wenige Regenwolken in der Ferne. Es ist zur Abwechslung trocken. Beim Morgenspaziergang zeigen sich bereits die ersten blauen Flecken am Himmel.

Für heute plane ich zu Skye Weavers zu fahren. Anschliessend kann ich auf einem kleinen Rundweg bei Dunvegan Castle vorbeifahren. Dort müssten wir länger spazieren können. So langsam gewöhne ich mich an die späteren Öffnungszeiten hier. Es macht wenig Sinn, früh loszufahren, die Weberei wird nicht vor zehn Uhr offen sein.

Darum wieder mal gemütliche Morgenroutinge mit kleinem Spaziergang (heute laufen wir noch lang genug), dann Frühstück und Randulin Innenreinigung. Und es kann losgehen. Die Fahrt geht zuerst manierlich auf einer zwar schmalen, aber immerhin zweispurigen Strasse Richtung Dunvegan. Nach einer halben Stunde zweigt die Strasse nach links ab und ab da geht es nur noch auf einer einspurigen Strasse weiter Es hat zum Glück viele Ausweichstellen und wenig Verkehr. An schnelle Fahrt ist nicht zu denken.

Um elf Uhr dreissig leitet mich das Navi in die Irre. Ich lande unterhalb der Skye Weavers auf einer Wanderstrasse. Die Zufahrt (oder zumindest das, was man dafürhalten könnte, mit einem Verkehrsschild zu Skye Weavers) habe ich kurz vorher im Vorbeifahren linker Hand gesehen, mich aber nicht getraut, da einfach reinzufahren. Also dann wieder mal mit Hilfe natürlicher Gegebenheiten auf dem Wanderweg umgedreht (zum Glück verfügt der Randulin über einen Vierradantrieb, damit kommt man auch aus kleinen Wassergräben wieder raus) und zurück zur Einfahrt.

Was mir vorhin beim Vorbeifahren nicht aufgefallen ist, auf der anderen Strassenseite der Einfahrt hat es einen grösseren Parkplatz. Also stelle ich den Randulin erst einmal ab. Und gehe mit den beiden Lumpazzi an der Leine zu Fuss die Zufahrt auskundschaften. Sie wird nach 100 Metern breiter und endet an einem grossen Tor. Da ist dann auch ein Schild, auf dem steht, man solle das Tor bitte wieder zu machen, der Kundenparkplatz befinde sich unten vor der Weberei. Also kehre ich mit den Lumpazzi zum Randulin zurück und fahre bis zum Kundenparkplatz. Der ist dann überraschend gross und liegt im Schatten.

Perfekt, dann kann ich die Lumpazzi gut im Auto lassen, während ich mir die Weberei anschaue. Ich bin etwas verblüfft, wie klein diese Manufaktur ist. Eigentlich nur ein halbmechanischer Webstuhl, der mit einem Kettenantrieb per Pedalen betrieben wird. Das System ist clever, statt einem Schiffchen wird ein Greifer durchgeschossen, der jeden Faden sofort abschneidet. Die Schäfte, der Kamm und der Greifer werden alle durch den Kettenantrieb bewegt. Damit entstehen schöne, regelmässige Stoffe.

Auch das Schären der Ketten erfolgt halbautomatisch, ist aber in einem eigenen Schuppen untergebracht. Das benötigt sehr viel mehr Platz als der Webstuhl. Auf dem Garngestell hinter der Kettwalze stehen mindestens dreissig verschiedene Konen. Das Prinzip funktioniert ähnlich wie meine eigene Direktzetteleinrichtung. Der Unterschied: Die Grösse des Garngestells, die doppelte Kettwalze und der automatische Zähler mit Rundenstopp.

Nach der persönlichen Führung durch den Inhaber darf ich allein im Shop stöbern. Die handgewobenen Gilets, Hüte, Kissen, Schals und Wolldecken, alles sehr schön, weich und warm. Leider recht teuer. Und ich will ja noch auf die Isle of Harris und dort Tweed einkaufen. Also muss ich mich hier beschränken.

Entgegen meiner ursprünglichen Recherche im Internet entscheide ich mich nicht für einen Stoff in Mitternacht blauem Diamantköper sondern für Mitternacht blauem Petit-poile-Köper. Zwei Meter auf ein Meter fünfzig sollte reichen für eine Jacke.

Nach einer Stunde haben die Hunde lange genug gewartet (und ich genug Geld ausgegeben). Ich setze Kurs auf Dunvegan Castle. Das ist nur eine knappe halbe Stunde weit zu fahren. Danach verbringen wir den restlichen Nachmittag in den Gärten des Schlosses. Dies alles bei fantastischem Wetter. Nach zwei Stunden sind die Hunde fix und foxi. Auf dem Rückweg schlafen sie auf ihren Plätzen trotz der Rumpelfahrt über die Schlaglöcher tief und fest.

Zurück am Platz dann erst mal etwas Futter für die beiden und den restlichen Reis von gestern für mich. Und etwas ausruhen von den vielen Eindrücken heute. Um 18 Uhr ist Zeit für den Abendspaziergang. Der führt uns heute etwas zurück entlang der Fahrstrasse Richtung Portree. Beim Ausflug heute Morgen ist mir auf der rechten Seite ein Schild aufgefallen zu einem Handarbeitsshop. Wie wir dort ankommen, hängen überall Schilder dass offen sei, man solle einfach klingeln.

Das tue ich dann auch. Unten an der Koppel taucht erst einmal ein grösserer Hund auf. Oben auf der Wiese blöken zwei grosse, schwarze Schafböcke. Die sehen sehr eindrücklich aus. Im Stall unterhalb der Koppel mit dem Hund regt sich nach einer kleinen Weile etwas. Jemand ruft, es würde nur einen Moment dauern, dann käme jemand. Also schaue ich mir die Gegend an. Nach einer Weile kommt ein Mann von unten aus dem Stall. Er öffnet den kleinen Schuppen. Die Hunde dürfen mit rein.

Und da hat es in dem kleinen Schuppen Schätze über Schätze. Also gut, das können wahrscheinlich nur passionierte Handarbeits-Fans verstehen. Aber hier hats Wolle in allen Variationen, maschinengesponnen, handgesponnen, Wolle von Shetland-Schafen, Merino, gekämmte Fliese, Zwirne und Einfachgarne. Dazu Spindeln und ein Spinnrad und natürlich fertige Kleidungsstücke. Ich kann nicht widerstehen und erstehe drei Strangen selbstgesponnene Wolle von den hofeigenen Shetland-Schafen. Das dürfte gut reichen für eine Mütze und Handschuhe. Danach aber ganz schnell wieder raus. Sonst gebe ich noch mehr Geld aus.

So geht der erste Tag auf Skye zu Ende. Ein langer, schöner und erlebnisreicher Tag. Für morgen muss ich mich noch entscheiden, ob jetzt szenische Küstenstrasse mit Old Man Storr oder doch lieber Fairy Pools am Südende der Insel. Für heute ist erst mal genug.

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