Bath, eine alte Römerstadt
Vom Stonehenge Campsite nach Bath sind es nur 46 Kilometer. Also nicht mehr als eine Stunde zu fahren, inklusive Suche des geeigneten Stellplatzes. Das Navi schlägt diesmal 4 verschiedene Routen vor. Ich nehme eine, die vorzugsweise über Land führt, direkt nach Bath, meist entlang dem Avon. Die Hoffnung dabei, auf weniger Lastwagen und am Samstagmorgen moderateren Wochenend-Verkehr zu treffen.
Noch vor der Abfahrt entscheide ich mich dagegen, den Grauwassertank zu entleeren. Das sollte in Bath einfacher möglich sein. Die Fahrt über Land dauert dann etwas länger, führt über die typischen (engen) Landstrassen quer durch Dörfer und Wäldchen, immer wieder mit Engstellen, die nur je in einer Richtung von einem Auto befahren werden können. Die Engländer erweisen sich als sehr zuvorkommende Autofahrer. Bis Bradford on Avon geht alles sehr gemütlich zu und her.
Das kleine Städtchen erweist sich als trickreiches Labyrinth mit winzigsten Kreiseln, die so eng sind, dass der Randulin nur noch im Schritttempo durchkommt. Das macht wohl einige eilige Samstagmorgen-Shopper etwas nervös, oder ich beachte den expliziten Rechtsvortritt nicht immer ganz genau. Ist aber auch schwierig, in derart engen Verhältnissen den rechten Aussenspiegel permanent im Blickfeld zu haben und dann auch noch Kamikaze-Fahrradfaher und schläfrige Fussgänger nicht über den Haufen zu fahren. Nach einer halben Stunde in und durch Bradford-on-Avon durch bin ich schweissnass und erleichtert wieder draussen zu sein, ohne Unfall oder andere Kalamitäten.

Und dann Bath. Die Durchfahrt ist eine sehr hügelige und enge Angelegenheit. Die Einfahrt zum Riverside Camping oder einem der drei Farm-Stellplätze lässt sich partout nicht finden. Das Navi ist von den vielen Universitätsgebäuden und dem Amerikanischen Museum völlig verwirrt. Andernorts führen alle Wege nach Rom, hier alle zum Amerikanischen Museum.
Nach dem dritten Versuch nehme ich wieder mal das iPhone zu Hilfe und frage einfach mal nach Bath Camping. Das zeigt sofort den Weg und die Adresse zu Bath Marina Caravan Park. Das ist zwar etwas ausserhalb von Bath selbst, aber am Fluss Avon gelegen und die Route versteht auch das Auto-Navi. Nach einer Stunde durch und um Bath irren, finde ich den Caravan Park und habe wieder einmal Glück. Ich ergattere gerade noch den letzten Stellplatz fürs Wochenende. Offenbar komplett ausgebucht.

Und wie ich reinfahre, sind in der Tat alle Stellplätze belegt. Nachdem ich eingerichtet bin (das muss man den Stellplätzen lassen, die sind immer mit Stromanschluss, topfeben und sauber) mache ich mit Kamera und Lumpazzi auf den (langen) Fussweg zurück nach Bath Zentrum. Dafür führt ein Fussweg dem Fluss entlang. Nach einer Stunde sind wir bereits am Victoria Park angelangt und noch etwas später am Royal Crescent, dem Wahrzeichen von Bath. Ein neoklassizistisch errichtetes riesiges Halbrund von Stadthäusern der lokalen Patrizier, direkt über einem unverbaubaren Park.

Mein Fazit von heute: die Engländer können Strassen und Verkehrsplanung fast so gut, wie die Deutschen (in der Schweiz würden Ingenieure für sowas wahrscheinlich gesteinigt) aber in Sachen Städte-, Garten- und Parkbau sind sie unerreicht. Nach einer chaotischen Fahrt ist es eine seelische Wohltat in einem Victoria Park zu wandeln.
Morgen bleibe ich noch hier, eventuell schaffe ich es, die römischen Bäder anzuschauen. Das dann wohl eher ohne Lumpazzi. Am Tag darauf geht es dann zum Forest of Dean respektive zum Wye-valley.
Sonntag, 23. März – Bath und am Ufer des Avon
Heute wäre lang ausschlafen angesagt. Da ich gestern Abend hundemüde bereits um 21.30 Uhr (lokale Zeit) ins Bett bin, erwache ich nach 7 Stunden, ausgeschlafen und fit für den Tag. 5.30 Uhr ist natürlich viel zu früh, sogar für den ersten Hundespaziergang. Draussen ist noch dämmerig, die Sonne geht erst um 6.10 Uhr auf.
Also gemütlich Katzenwäsche und gaaaaanz langsam fertiggemacht, diesmal auch die Kamera dabei und gegen halb sieben ohne Frühstück los, diesmal Flussabwärts. Dem Avon entlang bis zum Ruderclub und dann einfach querfeldein, den vielen Fusswegen nach. Der Nebel nimmt ganz langsam zu, es fängt an zu nieseln. Und auf miraculöse Weise lande ich wieder mal beim Amerikanischen Museum. Da mache ich schleunigst rechtsumkehrt und wir kehren wieder an den Fluss zurück.
Danach dann langes und ausgiebiges Frühstück und erst mal die Sonntagszeitung gelesen (oder zumindest angefangen). Daraufhin dem Randulin mal eine kursorische Innenreinigung verpasst.
Und nochmal los mit den Hunden Richtung Bath. Das Museum mit den römischen Bädern werde ich so zwar nicht besuchen können, dafür aber den kleinen Minerva-Tempel und den Botanischen Garten. Weil es um diese Zeit am Fluss entlang schon massenhaft Fahrradfahrer und Jogger hat, nehme ich eine etwas andere Route, oberhalb durch die Wohnquartiere. So dürfen die Lumpazzi dann doch etwas schnüffeln und die Beine strecken, ohne ständig zur Ordnung gerufen zu werden.

Im botanischen Garten blühen hier schon die Magnolien und Kirschbäume, ein wahres Labsal nach dem langen Winter.
Auf dem Rückweg laufen wir wieder dem Fluss entlang. Jetzt sind die Hunde müde und haben gar nicht mehr das Bedürfnis, kreuz und quer zu schnüffeln.
Wir sehen auf dem Fluss dann noch ein Pärchen Weisswangengänse, recht neugierig schwimmen sie näher. Die Lumpazzi interessiert es nicht, sie wollen nur noch pronto presto zurück.

Das Wetter ist auch nicht sehr angenehm, es bleibt den ganzen Tag bedeckt, windig und feucht. Genau richtig, für einen faulen Nachmittag.
Morgen geht’s weiter in den Forest of Dean oder vielmehr ins Wey Valley.
