Isle of Harris
Heute wieder mal ausschlafen. Ich muss erst um sechzehn Uhr in Uig am Ferry Terminal sein. Vom Camp aus gerade mal eine knappe Stunde zu fahren. Also keine falsche Hast, sonst wird die Warterei in Uig endlos.
Trotzdem, um halb elf ist alles erledigt, die Lumpazzi haben einen etwas längeren Morgenspaziergang hinter sich, alle drei haben wir gefrühstückt, der Randulin ist innen gereinigt. Nun nochmal beim Rausfahren den Abfall entsorgen, das Grauwasser entleeren und Frischwasser aufnehmen. Wenn ich dann unterwegs Diesel auffüllen kann, ist alles perfekt in Ordnung, Chemietoilette habe ich gestern beim Reinfahren bereits entleert und sauber gemacht.
Diesmal geht die Fahrt in die andere Richtung als die letzten drei Tage. Und tatsächlich, trotz Baustellen und einspurigen Strassen dauert die Fahrt gerade mal eine Dreiviertelstunde. Damit sind wir viel zu früh in Uig. Beim Pier kann ich auftanken und frage nach, was ich so unternehmen könnte, um die Zeit totzuschlagen. Die Frau am Tresen erklärt mir, wie ich zu den Rha Fällen komme. Mit dem Auto seien das zwei Minuten ortsauswärts.
Also das mögen wir jetzt prima laufen. Ich parkiere auf dem öffentlichen Parkplatz. Das Büro des Ferry Terminals ist gleich nebenan. Ich marschiere ohne Umstände hinein und frage nochmal nach, ob jetzt ein Platz in der Hundelounge verfügbar wäre. Leider nein. Danach überlege ich den ganzen Nachmittag lang immer wieder, Lumpazzi im Randulin lassen oder mit an Deck nehmen. Letzteres hängt stark vom Wetter und Wind ab. Wir werden erst um Achtzehn Uhr Vierzig ablegen.
Wenn das wechselhafte Wetter mit den starken Winden wie bis zum Mittag weiterhin anhält, ist für die ganze Überfahrt an Deck für uns alle drei zu kalt. Da würden wir nur krank. Wenn ich die Lumpazzi im Randulin lasse, haben sie es zwar warm und trocken, aber auch laut und eventuell stinkig. Während ich so hin und her überlege, spazieren wir zu den Rha Fällen und zurück.
Etwas versteckt, zwei Wasserfälle übereinander, am Ende des Spazierweges. Wir geniessen den Schutz vor den immer wieder einsetzenden Regenschauern und böigen Winden. Der Spaziergang dauert eine knappe Stunde. Zurück beim Randulin ist es erst dreizehn Uhr. Dann lasse ich die Lumpazzi mit ein paar Leckerli und einer Schüssel Wasser im Randulin und gehe ins Restaurant gegenüber Mittag essen. Gebratener Lachs mit frischen Kartoffeln und etwas Gemüse. Obwohl das Restaurant einen etwas schmuddeligen Eindruck macht, ist das Essen warm und gut. Ich lasse mit Zeit. Trotzdem, um fünfzehn Uhr bin ich wieder zurück bei den Lumpazzi.
Immer noch mindestens anderthalb Stunden zum Totschlagen. Also lade ich mir noch das neueste NZZ-Geschichte herunter. Das dürfte ein paar interessante Artikel enthalten. Die müssten mich bis sechzehn Uhr dreissig beschäftigen. Die Lumpazzi schlafen selig.
Um sechzehn Uhr fünfzehn sehe ich aus dem Augenwinkel den ersten Camper Richtung Check-in fahren. Wenn der das kann, darf ich auch, denke ich mir und fahre ebenfalls zur Terminal-Einfahrt. Der Angestellte kommt dann tatsächlich erst um sechzehn-Uhr dreissig anmarschiert. Mittlerweile hat sich bereits eine längere Schlange vor dem Check-in gebildet. Er arbeitet aber sehr schnell, Ticket auf dem Handy vorweisen, das wird eingescannt, nochmal nachgefragt, ob die Hunde im Auto bleiben und dann in Reihe 6 einstehen. Eine Prozedur von knapp 5 Minuten.
Danach geht die Warterei von vorne los. Das Schiff ist noch nicht einmal am Pier, die Abfahrt ist erst für achtzehn Uhr vierzig geplant. Genug Zeit, um nochmal die Lumpazzi die Beine strecken zu lassen. Wir erkunden das Hafengelände und sie markieren fleissig die Fischernetze. Um achtzehn Uhr fährt das Schiff endlich ein. Von da weg läuft alles ab wie eine Uhr.
Zuerst werden die Personenwagen ausgeladen, dann kommen Lastwagen und zuletzt Camper und Wohnmobile. Eingeladen dann in einer anderen Reihenfolge, zuerst Personenwagen und Motorräder, dann Kleinbusse und Camper und dann wieder Personenwagen. Auf diesem Kurs werden offenbar keine Lastwagen transportiert.
Die Lumpazzi bleiben dann im Auto, ich verdunkle die Seiten- und Rückfenster, dann haben sie es etwas ruhiger. Dann packe ich meinen kleinen Rucksack mit iPad und zusätzlichem Pulli, Handi und Windjacke und gehe mit den anderen Passagieren aus dem Frachtraum.
Aus früheren, schlechten Erfahrungen heraus merke ich mir diesmal sehr genau, wo ich durchlaufe. Es wäre nicht lustig, auf diesem Riesenkahn den Randulin wieder mal suchen zu müssen. Er steht ganz vorn direkt hinter den Motorrädern am Bugtor.
Die Überfahrt nach Tarbert verläuft unspektakulär. Das Wetter hat sich gebessert, teilweise kommt die Sonne heraus, das Meer ist ruhig, kein hoher Wellengang wie befürchtet. Bereits um zwanzig Uhr zehn legen wir in Tarbert an. Ich gehe so schnell, wie es die Menschentrauben in den Gängen und Treppen zulassen nach unten in den Frachtraum und zu den Lumpazzi. Denen geht es ausgezeichnet, sie haben mich nur vermisst.
Nachdem alle Fensterverdunkelungen wieder eingefahren sind, noch schnell alles wieder ordentlich verstaut und das Navi auf einen der nächsten Nachtparkplätze programmiert. In der Nacht einen Schlafplatz zu suchen für den Randulin ist mir entschieden zu viel Aufregung, nach einem so langen Tag. Was ich diesmal völlig unterschätze: so hoch im Norden ist es bis fast zehn Uhr am Abend taghell. Da hätte ich noch lange keine Mühe mit Suchen.
Dummerweise hatte es doch eine ganze Reihe von Campern auf dem Schiff. Die suchen jetzt alle das Gleiche. Wie mir am nächsten Tag dann ein Campingplatzbetreiber auf Harris erklärt, ist Harris im Mai ein sehr beliebtes Reiseziel, sie seien da auf Jahre hinaus ausgebucht. Das zeigt sich auch bei meiner abendlichen Suche. Jeder Parkingspot, an dem ich vorbeifahre ist voll. Ich fahre darum einfach den letzten zwei Campern hintennach bis ganz an den Schluss der Strasse. Die endet am Strand in Luskentyre.
Und natürlich ist auch hier alles vollgeparkt. Allerdings, nicht ausschliesslich Camper, sondern auch Autos dazwischen. Der Camper vor mir stellt sein Auto direkt vor die Zufahrt zum Friedhofparkplatz, einfach mitten hinein. Ich parke erst einmal provisorisch rückwärts vor die Mülltonnen.
Danach gehe ich erst mal mit den Lumpazzi einen Strandspaziergang machen. Wenn wir zurückkommen und ich Glück habe, ist bis dahin eines der Autos weggefahren und ich kann für die Nacht bleiben.

Am Strand hat es ein ganzes Rudel Fotografen. Offensichtlich beschäftigen sie sich mit der blauen Stunde, den Wellen und dem Hintergrund (Berge). Zorro entdeckt wieder mal Kaninchen, Nanno nimmt die Jagd ebenfalls auf. So komme ich zu einem unfreiwilligen Krafttraining auf den späten Abend.
Nach einer halben Stunde durch die Gegend schiessen ist genug. Wir kehren zum Randulin zurück. Der Friedhofparkierer ist weg. Und vor dem letzten Platz steht einer der Fotografen und reinigt sein Stativ. Vielleicht fährt er ja bald weg, das braucht vielleicht etwas Geduld. Und nach fünf Minuten kommt er ganz gemütlich gelaufen und meint lachend, wenn ich noch etwas warte, fährt er weg und ich bekomme den schönsten Platz am Ort.
Das ist alle Geduld der Welt wert. Nach zehn Minuten steht der Randulin auf dem Platz. Da hier kein Strom vorhanden ist, verläuft das Einrichten ruck-zuck. Ich muss einfach daran denken, die Heizung wieder einzuschalten und das Gas aufdrehen. Sonst wird’s im Randulin kalt und ich kann nicht kochen. Mittlerweile ist es zweiundzwanzig Uhr. Da fällt mir ein, ich könnte noch eine Nachricht an die Whatsapp-Gruppe schicken, dass ich gut angekommen bin. Auch dieses Thema ist dann schnell erledigt, kein Empfang hier unten in der Strandkuhle. Darum dürfen wir dann alle drei früh schlafen gehen. Das Resumé des Tages: ganz schön viel gewartet, alles gutgegangen und etwas Geduld bringt unerwartete Früchte.
