Isle of Lewis

Die ganze Nacht wieder abwechslungsweise geregnet und Windgeheule rund um den Randulin. Trotzdem gut geschlafen. Obwohl hier auf den Inseln auf keinem Stellplatz Strom-Anschluss vorhanden ist. Der Telefonempfang ist auch überall mässig bis kaum vorhanden. Das sorgt für eine entspannte Atmosphäre. Und der Randulin kann zeigen, was er kann. Draussen ist es mit dem ständigen Wind und immer wieder einsetzenden Nieselregen kalt und unwirtlich. Innen im Randulin ist es angenehm warm, die Dieselheizung funktioniert ausgezeichnet. Und ist erst noch sparsam.

Obwohl die Fahrten auf den Insel erstaunlich lang sind, ist der Verbrauch des Treibstoffs nicht übermässig hoch. Ich gehe davon aus, dass dies an der gezwungenermassen langsamen Fahrt liegt. Auf gerade mal autobreiten Strassen lässt es sich nicht gut rasen. Vor allem, wenn die Strassen auch noch kurvig und in regelmässigen Abständen mit Kuhgittern versehen sind.

Heute Morggen dann nochmal einen langen Strandspaziergang mit den Lumpazzi und ausgiebiges Frühstück. Danach schnell los, Richtung Stornoway. Unterwegs fahre ich mal etwas zur Seite und frage das Navi nach Sehenswürdigkeiten. Und siehe da, es gibt sofort die «standing stones» von Callanish aus. Ich setze die dann als Zwischenziel. Sie liegen am Weg nach Stornoway.

Acht Kilometer vor den «standing stones» sehe ich linker Hand einen Wegweiser zum «iron age village». Also wieder mal das Navi ignoriert und abgezweigt. Nach ein paar Minuten nerven die Anweisungen zum Umdrehen und ich programmiere das «iron age village». Damit ist dann Ruhe im Navi und ich kann ohne weitere sinnfreie Anweisungen weiterfahren.

Das village musste (leider) aufgrund der Exponiertheit nach der Ausgrabung wieder mit Sand zugedeckt werden. Sonst würde es noch ganz zerfallen und für künftige Forscher nicht mehr zur Verfügung stehen. Eine Hütte wurde aufgrund der gesammelten Informationen wieder aufgebaut. Das Konzept dieser Häuser ist sehr interessant.

Der Eingang wurde zur Hälfte in einer Kurve unter dem Niveau des gewachsenen Bodens angelegt. Auch der Hauptraum der Hütte steht mindestens einen Meter tiefer als der gewachsene Boden. Der Eingang ist klein und schmal, hat somit den Vorteil, dass immer nur eine Person ein- oder austreten kann, es geht wenig Wärme verloren und ist einigermassen sicher. Der Hauptraum ist überraschend gross und weist sogar einen Nebenraum auf. Die Archeologen haben nicht herausgefunden, warum dem so ist oder wozu der Nebenraum diente. Im Hauptraum wurde gemäss den Funden gelebt, geschlafen, gekocht und gegessen.

Das Dorf selbst ist an einem strategisch klug gewählten Platz gebaut. In einer windgeschützten Bucht, mit einem Frischwasserzufluss aus den Höhen dahinter und offenem Meer-Zugang für allerlei Meeresgetier. Das village selbst musste eingezäunt werden. Überall weiden die riesigen Shettland-Schafe. Sogar die Lumpazzi erweisen ihnen einen ordentlichen Respekt. Mit den doppelt gekrümmten Hörnern wirken sie aus der Nähe bedrohlich, auch wenn sie friedlich am Grasen sind.

Nach einer knappen Stunde geht die Fahrt weiter. Nicht ohne dass ich vorher noch ein paar Pfund in die honesty box gelegt hätte. Hier in Schottland (wie auch in England) werden archäologische Forschungen von der Regierung nicht unterstützt. Die haben grad andere Probleme, die viel dringender sind.

Die Fahrt zu den «standing stones» führt 15 km auf der gleichen schmalen Strasse zurück zur A859. Danach sind es nur noch acht km bis zu dieser (versteckt) auf einem Hügel stehenden Sehenswürdigkeit. Tönt paradox, ist aber so. Die Strasse führt unten im Tal durch und geht dann sehr steil und kurvig auf einen Hügel hoch. Der ist nur von einem noch weiter oben gelegenen Hügel einsehbar.

Der Ort weist viel Ähnlichkeit mit Stonehenge auf. Dürfte allerdings etwas älter sein. Der Steinkreis ist deutlich kleiner und weist keine Dachsteine auf. Die Idee, dass es sich um einen Kompass handeln könnte, ist hier nicht von der Hand zu weisen. In alle vier Himmelsrichtungen weisen gerade Linien von aufgestellten Steinen. Dass es sich um eine Ritualstätte für Begräbnisse handeln könnte, ist auch nicht auszuschliessen. Beim südlichen Radiant bilden zwei Steinreihen eine Art Eingangsallee bis zum Ritualstein. Ausserdem wurden Urnen (nur Scherben leider) und Asche unter einer Deckschicht gefunden.

Trotzdem, die Aura des Ortes ist spürbar. Sehr viel eher als in Stonehenge vor ein paar Wochen. Vielleicht liegt es einfach daran, dass hier deutlich weniger Touristen herumspazieren. Natürlich bläst auch hier ständig ein garstiger, kalter Wind über die Hügel. Die Lumpazzi finden das nicht besonders lustig,

Nach einer halben Stunde ist dann auch genug genossen. Die Fahrt Richtung Stornoway geht weiter. Ziel ist irgendwo unterwegs auf Lewis einen schönen Ausstellplatz zu finden, wo wir den restlichen Nachmittag und die Nacht verbringen können.

Ohne Erfolg landen wir nach einer Dreiviertelstunde in Stornoway am Hafen. Die Stadt ist eng und überlaufen. Auf dem Hafenparkplatz dürfen wir nicht über Nacht stehen bleiben (und würde ich auch gar nicht wollen, bei dem Betrieb). Darum frage ich das Navi mal nach einem Parking Spot in der Nähe. Es gibt offenbar diverse und dabei entdecke ich auch noch einen «weaving shed» ganz in der Nähe.

Das interessiert mich natürlich. Ich fahre hin. Unterwegs halte ich immer wieder Ausschau nach einem schönen Ausstellplatz. Vielleicht ist es das Wetter, aber an dieser stark befahrenen Strasse ist nichts Gutes dabei. Beim «weaving shed» finde ich gerade so ein Plätzchen, wo ich den Randulin kurzzeitig hinstellen kann. Ich laufe allein runter. Es stellt sich heraus, dass der Laden zwar offen ist, die ausgestellten Sachen sind interessant und offensichtlich kreativ von einer Handweberin designt. Diese ist aber gerade abwesend, gemäss Notiz bei den Schafen.

Dann wird aus einem interessanten Gespräch leider nichts. Ich klettere wieder in den Randulin und fahre noch etwas weiter, um einen guten Wendeplatz zu finden. Das Navi ist da nicht sehr hilfreich. Gemäss dem sollte ich nun eine 15% steile einspurige Strasse an einen klitzekleinen Fischerhafen hinunterfahren und dort wenden. Aber hallo, nicht mit mir. Ich fahre dann steil aufwärts in eine klitzekleine private Einfahrt und wende direkt. Zum Glück ist der Randulin nur sechs Meter lang, hat Vier-Rad-Antrieb und eine sensationelle Rückfahrkamera. Damit lässt sich tatsächlich auf einer zwei Meter breiten Strasse mit einer fünf Meter langen, steilen Einfahrt schadlos wenden.

Damit ist genug für heute mit den Fahrabenteuern. Ich entscheide mich, zurück nach Harris zum ersten Übernachtungsort nach Luskentyre zurückzufahren. Wenn ich Glück habe, ist ein Platz frei. Sonst muss ich etwas zurückfahren und oben an der Hauptstrasse auf einem der grossen Ausstellplätze die Nacht verbringen.

Die Fahrt vom «weaving shed» nach Harris und Luskentyre an der Atlantikküste dauert dann doch eine Stunde. Es sind immerhin 56 km und mindestens die Hälfte auf einspurigen Strassen. Um siebzehn Uhr stehe ich in Luskentyre und der Parkplatz ist fast voll. Ich stelle den Randulin mal in eine Parklücke rein, die gerade so gross ist, dass er reinpasst. Danach mache ich erst mal einen Strandspaziergang mit den Lumpazzi.

Hier stehen viele Personenwagen, die kaum die Nacht verbringen werden. Das braucht nur etwas Geduld. Diese zahlt sich bei unserer Rückkehr aus. Der Platz ist halb leer. Insbesondere mein Lieblingsplatz mit perfekter Aussicht und topfeben ist verfügbar. Also nichts wie umgeparkt. Der Feierabend kann beginnen. Da die Parkplatzsuche für die Nacht sich hier auf den Inseln die letzten beiden Tage immer wieder als Zitterpartie erwiesen haben, beschliesse ich, den Sonntag auszuspannen. Ich bleibe einfach stehen. Wir machen lange Strandspaziergänge, lesen Zeitung (für die Lumpazzi hat es mehr als ausreichend andere Hunde in der Gegend, die ihre Markierungen hinterlassen) und geniessen einen ruhigen Tag.

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