Fairy Pools auf Skye

Heute wieder lang ausgeschlafen. Das Wetter ist immer noch wechselhaft. Ich bin mir nicht ganz im Klaren, ob heute wirklich ein Ausflug stattfinden soll, oder doch lieber ein fauler Tag mit etwas Randulin-Unterhalt.

Darum dann erst mal duschen, dann Morgenspaziergang und langes Frühstück. Um zehn Uhr ist dann auch die Zeitung gelesen, die Randulin-Innenreinigung durchgeführt. Das Wetter klart auf, nur der Wind hat zugenommen auf geschätzt 4 Beaufort. Ich geh mal raus und schaue nach der Markise, die scheint nicht ganz geschlossen zu sein. Jedenfalls rauscht der Wind darin und macht ziemlich Geräusche. Wie ich versuche, die Hecktüre gegen den Wind aufzumachen, darf ich mich ganz schön dagegenstemmen. Bei 90° fliegt sie mir dann aus der Hand und schlägt komplett um. Zum Glück ist das alles richtig stabil gebaut. Nichts passiert. Dafür habe ich entdeckt, dass ich beide Hecktüren nicht nur 90° öffnen kann, sondern 180° (wenn ausreichend Platz ist natürlich).

Danach mühe ich mich erst mal damit ab, an die Kurbel zu gelangen. Die ist am höchsten Punkt eingehängt. Gibt halt erst mal eine Kletterpartie, mit meinen 1.65 m mag ich nicht bis auf 2.85 m hochlangen. Dann versucht, die Markise richtig zu fixieren. Die scheint allerdings richtig eingerollt zu sein. Also alles wieder retour und die Kurbel wieder verräumt. Danach gegen den Wind die Hecktüren wieder verschlossen.

Ah halt, wenn sie schon mal offen sind, dann vielleicht doch noch das Elektrokabel ausgehängt, aufgerollt und verstaut. Nun packt mich die Unternehmungslust. Die Fahrt geht doch noch los Richtung Fairy Pools. Gemäss Navi sind das 45 km, also eine gute Stunde Fahrt nach Süden auf der Insel Skye. Zuerst aber noch auf dem Wohnmobil-Service-Platz vorbei, Abfall entsorgen und Grauwasser ablassen. Frischwasser aufnehmen mache ich besser erst morgen früh, bevor ich zur Fähre nach Harris fahre.

Die Fahrt zu den Fairy Pools ist zu Beginn noch angenehm auf der zweispurigen Strasse Richtung Portree. Dann der Abzweiger Richtung Dunvegan auf die Querverbindung auf die A683 Richtung Süden wieder einspurig mit Ausweichstellen. Danach zügig auf einer zweispurigen Strasse Richtung Süden. Die Gegend ändert markant. Beim Camp an der Küste ist es hügelig, windverblasen und fast reine Heidevegetation. Hier im Süden gebirgig, mit dichtem Stechginster und Föhrenwäldern.

Und dann geht es fast 306° links um eine Kurve und auf einer 10 km langen einspurigen Strasse mit vielen Ausweichstellen geradewegs hinein ins Gebirge. Die Fahrt ist nicht ganz einfach, es herrscht reger Gegenverkehr. Ganz offensichtlich nähere ich mich einem Touristen-Hot-spot. Nach einer halben Stunde mit vielen Zwischenhalten ist auch das geschafft und ich fahre auf einen mit Personenwagen vollgestellten Parkplatz.

Zum Glück ist der im Einbahnverkehr ausgeschildert. So kann ich einfach durchfahren und dabei nach einem geeigneten Platz Ausschau halten. Und siehe da, für Camper und Wohnmobile ist auf der unteren Ebene, nahe bei der Ausfahrt eine ganze Menge Plätze reserviert. Ich stelle den Randulin hin, packe die Lumpazzi, den Rucksack mit der Kamera und ziehe mir nur das Gilet über. Es ist zwar sehr windig, aber warm und die Sonne scheint. In der Ferne kann ich sehen, wohin der Weg führt. Das dürfte eine lange, schweisstreibende Wanderung werden, also besser nicht zu warm anziehen.

Auf dem Weg zum Anfang des Fussweges komme ich an einer Parksäule vorbei. Also löse ich noch schnell ein Parkticket für den ganzen Tag. Wir laufen nochmal zum Randulin zurück. Ohne mir viel zu überlegen, lege ich das Ticket auf der Fahrerseite hinter die Frontscheibe. Wie wir dreieinhalb Stunden später wieder zum Randulin zurückkommen, klemmt unter dem Scheibenwischer auf der Beifahrerseite eine Aufforderung, die Parkgebühr zu bezahlen. Ein zweites Mal, sicher nicht! Der Parkwächter hätte vielleicht die Füllung zwischen den Ohren in Betrieb nehmen können und realisieren, dass bei einem Kontinental-Auto die Fahrerseite nicht rechts ist.

Der Spaziergang selbst führt auf einem breiten Weg mässig steil zuerst ins Flusstal runter, dann dem Fluss mit vielen Wasserfällen sanft in Richtung Gebirge. Nach zwei Stunden sind wir den Touristenmengen entronnen und am Fuss des Berges angelangt. Die Felsen rundum bilden einen Talkessel, die Wände glänzen von den vielen Rinnsalen, die hier überall über die Felsen laufen. Eigentlich der schönere Anblick als die vielen Wasserfälle und Stromschnellen mit den leuchtend grünen Wasserbecken.

Die Gegend hat ihren Namen Fairy Pools zu Recht. Allerdings, die Touristen, die sich in den Becken vergnügen entsprechen nicht ganz meinen Vorstellungen von «Fairies», das sind eher ordentliche Zivilisations-Kaliber, die hier ins Wasser fallen. Eleganz sieht anders aus.

Auf den Berg will ich nicht, wir drehen nach zwei Stunden wandern wieder um und laufen zurück. Die Lumpazzi haben heute ihren vorbildlichen Tag. Sie bleiben schön bei mir und nehmen ab und zu eine Schluck Wasser aus den Rinnsalen, die wir überqueren. Nach dreieinhalb Stunden sind wir alle drei ziemlich geschafft. Bleibt nur noch die Rückfahrt zum Camp. Der Randulin kennt den Weg schon recht gut, nach einer knappen Stunde stehen wir wieder auf unserem Platz, müde und hungrig.

Das verlangt nach einer Belohnung, die Lumpazzi bekommen etwas zu Fressen und mehrere Kaustangen. Ich bekomme einen Thonsalat und einen schönen Mokka. Ein ruhiger, angenehmer und schöner Abschluss unseres Aufenthaltes hier auf Skye. Es gäbe noch so viel zum Anschauen. Aber man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Morgen geht es nach dem Mittag nach Uig auf die Fähre nach Harris. Hoffentlich hält das gute Wetter noch etwas an. Die Überfahrt dauert zwar nur knapp zwei Stunden. Es wäre noch schön, wenn das nicht mit viel Seegang verbunden wäre.

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